Ladendiebstahl: Entschlossenes politisches Handeln gefragt
Ein Beitrag von Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Foto: GdP/Herschelmann
Polizei und Handel wissen längst, dass Ladendiebstähle sich zunehmend zu einer lukrativen Erwerbsquelle von Verbrecherorganisationen entwickeln. Von Bagatelldelikten zu sprechen, würde die Realität in den Läden hierzulande ausblenden. Der gewerbsmäßig oder bandenmäßig organisierte Ladendiebstahl führt zu massiven wirtschaftlichen Schäden, die auch ehrliche Kundinnen und Kunden teils mit höheren Preisen ausbaden. Rund drei Milliarden Euro finden nicht den Weg in die Ladenkassen, sondern landen in den tiefen Taschen Krimineller. Die Folge: Das Vertrauen in den Rechtsstaat leidet immer mehr.
Warum müssen Konsumenten, Handel und Polizei so lange darauf warten, dass die Politik eine spürbar konsequentere Strafverfolgung ermöglicht sowie effektive Rahmenbedingungen schafft? Dies vor allem, weil polizeiliche Experten von einem sogenannten Dunkelfeld von etwa 98 Prozent ausgehen. Das heißt: Bei hundert Fällen wird nur jeder zweite Täter geschnappt. Zwar schlimm, dennoch aber korrigierbar ist, dass mit Blick auf umfangreiche, oft länderübergreifende Ermittlungen, Polizei und Staatsanwaltschaften häufig nicht das notwendige Personal einsetzen können. Ferner stellen wir Mängel bei der technischen Ausstattung fest sowie Lücken bei organisatorischen Voraussetzungen.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert jetzt entschlossenes politisches Handeln. Der erste und wichtigste Schritt kann nur sein, Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichte erkennbar besser personell und technisch auszustatten. Wir benötigen schnelle, konzentrierte Ermittlungen und zügig ablaufende Prozesse mit prägnanten Urteilen. Das Straf- und Strafprozessrecht kann in seiner abschreckenden Wirkung bestimmt noch verschärft werden. Die konsequenten Folgen für Täter und Tätergruppierungen müssen jedenfalls sichtbar sein. Umso wichtiger ist es, dem Pakt für den Rechtsstaat endlich Leben einzuhauchen.
Ein wirksamer Weg kann mit einer Präventions- und Ermittlungsarbeit auf der Höhe der Zeit beschritten werden. Womöglich würde eine rechtssichere und bundesweit einheitliche Regelung für eine offene Videoüberwachung im Einzelhandel den Betrieben mehr Handlungssicherheit verleihen. Für uns in der Polizei könnte der rechtssichere Einsatz von KI-gestützten Videoanalysen einen wichtigen Schritt nach vorn für eine bessere Diebstahlprävention bedeuten.
Ermittler erzählen uns, dass sich organisierte Täterstrukturen nur wirksam bekämpfen lassen, wenn Polizei und Justiz ihre Kräfte bündeln. Etwa Schwerpunktstaatsanwaltschaften werden genannt. Und wir müssen unsere Informationen effizienter austauschen, und uns insgesamt enger vernetzen. Wenn wir dezentral agierende Kriminelle frühzeitig identifizieren und konsequent verfolgen sollen, liegt das Schaffen der dafür notwendigen Rahmenbedingungen ausschließlich bei der Politik: Nur Mut!
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