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Ausbildungsstartkompetenzen entscheiden mit über erfolgreiche Fachkräftesicherung

Ein Beitrag von Dr. Markus Th. Eickhoff, Geschäftsführer Kuratorium der Deutschen Wirtschaft (KWB)

Porträtbild von Dr. Markus Th. EickhoffDer Einzelhandel gehört seit Jahren zu den besonders ausbildungsstarken Branchen in Deutschland. Er bietet jungen Menschen verlässlich Einstiegschancen, übernimmt Verantwortung für die Fachkräftesicherung und zeigt, dass berufliche Bildung auch in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten ein zentrales Zukunftsinstrument bleibt. Denn für viele Unternehmen ist die eigene Berufsausbildung der bewährte Weg, künftigen Fachkräftebedarf zu decken. Zugleich wissen viele Schulabgängerinnen und Schulabgänger, dass eine Ausbildung den Weg in stabile Beschäftigung und attraktive Entwicklungsperspektiven öffnet.

Aktuell sind bei der Bundesagentur für Arbeit mehr Ausbildungsstellen gemeldet als Bewerberinnen und Bewerber. Auch außerhalb der offiziellen Statistik gibt es auf dem Ausbildungsmarkt Angebot und Nachfrage. Unabhängig davon finden die beiden Marktseiten häufig nicht zusammen. Dieses Passungsproblem hat mehrere Ursachen: Ein Ausbildungsplatz in Husum hilft einer interessierten Person in Passau nur begrenzt. Wer eine Ausbildung in einem bestimmten Beruf sucht, lässt sich nicht ohne Weiteres für eine andere Branche begeistern. Hinzu kommen unterschiedliche Erwartungen an Voraussetzungen wie Schulabschlüsse. Trotz vieler Anstrengungen ist es in den vergangenen Jahren nicht gelungen, dieses Matching spürbar zu verbessern.

Und die Herausforderung liegt nicht allein darin, freie Ausbildungsplätze und interessierte junge Menschen zusammenzubringen. Entscheidend ist ebenso, ob der Ausbildungsstart gelingt. Passung auf dem Ausbildungsmarkt und Ausbildungsstartkompetenz gehören deshalb zusammen. Seit einiger Zeit berichten viele ausbildungswillige Unternehmen, dass grundlegende Ausbildungsstartkompetenzen fehlen. Gemeint sind vor allem sichere Grundlagen im Lesen, Schreiben und Rechnen, eine belastbare Lern- und Arbeitsorganisation sowie eine fundierte berufliche Orientierung. Wenn Erwartungen an den Beruf und die tägliche Praxis deutlich auseinanderfallen, steigt das Risiko einer Vertragslösung. Genau das gilt es zu vermeiden. Deshalb engagieren sich Ausbildungsunternehmen zunehmend in der beruflichen Orientierung, etwa durch Schulbesuche, Exkursionen oder Praktika. Während der Ausbildung holen Unternehmen mit ihren Nachwuchskräften immer häufiger Grundlagen nach. Das ist vorbildlich, kann aber Schule nicht ersetzen. Im ungünstigsten Fall gerät das Ausbildungsziel in Gefahr.

Mit dem Rückzug der Babyboomer aus dem Erwerbsleben wird es noch wichtiger, alle Potenziale für den Arbeitsmarkt zu erschließen. Entscheidend ist daher nicht nur, möglichst viele Ausbildungsverträge zu schließen, sondern sie auch erfolgreich zum Abschluss zu führen. Dafür braucht es erstens an allen Schulformen eine verbindliche und praxisnahe berufliche Orientierung. Direkte Einblicke in Unternehmen sind besonders wirksam. Programme wie die NRW-Initiative „KAoA – Kein Abschluss ohne Anschluss“ können eine Unterstützung sein, wenn sie früh ansetzen und verlässlich umgesetzt werden. Zweitens sollte regionale Mobilität erleichtert werden, etwa durch mehr Jugendwohnen. Hier liefert die Bundesinitiative „Junges Wohnen“ spürbare Impulse, wenn Studierende und Auszubildende gleichermaßen davon profitieren. Drittens braucht berufliche Bildung vergleichbare Rahmenbedingungen, zum Beispiel beim öffentlichen Nahverkehr. Wenn Studierende über Semestertickets entlastet werden, sollte auch für Auszubildende eine passende Lösung geprüft werden. Viertens müssen Schulen Mindeststandards sichern und Unterstützungsbedarfe früh erkennen. Regelmäßige Lernstandserhebungen und passgenaue Förderung können dazu beitragen. Fünftens sollten Unternehmen neben Zeugnissen stärker Motivation, Entwicklungspotenzial und praktische Eignung berücksichtigen. Gerade junge Menschen, die eine Chance bekommen, können sich als besonders engagierte Nachwuchskräfte erweisen.