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Ohne starken Handel keine lebendige Innenstadt

Ein Beitrag von Dr. Jan-Marco Luczak MdB, baupolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Foto: Tobias Koch

Luczak Portrait Fotorechte Tobias KochLebendige Innenstädte sind zentral für unser gesellschaftliches Zusammenleben – als Orte der Begegnung, als regionaler Identitätsanker und als Wohnort und Arbeitsstätte für Millionen Menschen. Ihr Erhalt und ihre Revitalisierung müssen deshalb ein zentrales Ziel der Städtebaupolitik auf kommunaler, Landes- und Bundesebene sein.

Eine lebendige Innenstadt entsteht nicht am Reißbrett. Sie lebt von Begegnung, Gastronomie, Kultur – und ganz wesentlich vom Einzelhandel. Einkaufen ist nach wie vor der wichtigste Grund für den Innenstadtbesuch. Deshalb gilt: Ohne starken Einzelhandel keine lebenswerte Innenstadt.

Doch der stationäre Handel gerät durch veränderte Einkaufsgewohnheiten des Onlineshoppings, hohe Energie- und Personalkosten, Bürokratie und Fachkräftemangel immer stärker unter Druck. Wenn erste Geschäfte aufgeben, droht eine Abwärtsspirale: Leere Schaufenster senken die Aufenthaltsqualität, Frequenzen gehen zurückweitere Händler geraten unter Druck.

Als CDU/CSU-Bundestagsfraktion wollen wir den Handel deshalb als Leitfunktion der Innenstadt erhalten und stärken. Dafür müssen Bund, Länder, Kommunen, Handel, Gastronomie, Kultur und Immobilienwirtschaft an einem Strang ziehen.

Hierzu wollen wir gezielt die Kommunen stärken und durch einen Ausbau und eine Vereinfachung der Städtebauförderung mehr Investitionen vor Ort ermöglichen. Die Städtebauförderung soll künftig flexibler für öffentliche Räume, Grün, Beleuchtung, Sauberkeit, Sicherheit und Leerstandsmanagement eingesetzt werden können.

Kommunen müssen freie Flächen früh erfassen, Eigentümer gezielt ansprechen und gemeinsam mit Handel, Immobilienwirtschaft und Gründern neue Nutzungen entwickeln – bevor aus einzelnen Leerständen ein strukturelles Problem für ganze Quartiere wird.

Angesichts des tiefgreifenden Strukturwandels im Handel brauchen wir mehr Freiheit für neue Ideen und eine kluge Nutzungsmischung. Einzelhandel, Gastronomie, Wohnen, Dienstleistungen, Handwerk, Kultur, Bildung und medizinische Angebote gehören näher zusammen. Mehr Menschen, die in den Zentren leben, bringen mehr Alltag und Nachfrage. Gerade die Umwandlung dauerhaft nicht mehr benötigter Büro- oder Gewerbeflächen in Wohnraum kann Quartiere neu beleben. Das seit 1. Juli 2026 laufende Bundesprogramm „Gewerbe zu Wohnen“ fördert die Umwandlung nicht mehr genutzter Gewerbeflächen in Wohnungen mit einem Zuschuss von bis zu 30.000 Euro je neu geschaffener Wohneinheit. Richtig gemacht, entstehen so nicht nur Wohnungen, sondern neue Kundschaft und zusätzliche Kaufkraft vor Ort – und damit bessere Voraussetzungen für einen dauerhaft starken Einzelhandel.

Umnutzung darf dabei nicht dazu führen, dass der Handel aus guten Lagen verdrängt wird. Attraktive Erdgeschosse und Flächen mit Einzelhandelsperspektive müssen erhalten bleiben. Besonders stark sind gemischt genutzte Gebäude: Handel oder Gastronomie unten, Wohnen darüber. Hier sind Länder und Kommunen in der Verantwortung, Nutzungskonflikte zur Wohnbebauung rechtlich besser aufzulösen. Im Bund haben wir mit der Flexibilisierung der Lärmschutzvorschriften dazu gerade den Rahmen verbessert.

Von zentraler Bedeutung für lebendige Innenstädte ist ihre Erreichbarkeit mit einem gut ausgebauten ÖPNV, sicheren Wegen für Fußgänger und Radfahrer genauso wie für das Auto. Dazu gehören zentrale Parkmöglichkeiten und funktionierende Lieferverkehre. Verkehrspolitik darf Mobilitätsformen nicht gegeneinander ausspielen.

Auch Sicherheit gehört unmittelbar zur Attraktivität. Menschen kommen nur dann gern in die Innenstadt, wenn öffentliche Räume sauber, gut beleuchtet und sicher sind. Dafür braucht es sichtbare Präsenz von Polizei und Ordnungsdiensten sowie ein konsequentes Vorgehen gegen Gewalt, Ladendiebstahl und Vandalismus.

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Schließlich müssen wir die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern. Weniger Berichtspflichten, schnellere digitale Verfahren, wettbewerbsfähige Energiepreise und faire Bedingungen gegenüber internationalen Onlineplattformen sind zentral. Für alle müssen dieselben Regeln gelten – bei Produktsicherheit, Verbraucherschutz, Steuern und Zoll.

Unsere Innenstädte haben Zukunft – wenn wir die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Wer Leerstand früh bekämpft, neue Nutzungen ermöglicht, Erreichbarkeit sichert und den Handel entlastet, stärkt Arbeitsplätze, Lebensqualität und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.