Du willst gutes Geld verdienen und einen Job mit Zukunft finden? Es muss nicht immer das Studium sein.
Ein Beitrag von Tilman Kuban (CDU), Mitglied des Deutschen Bundestags.
Ein sicherer Job soll es sein. Ein gutbezahlter dazu. Spaß soll er machen und nicht morgen durch eine KI ersetzt werden. Wer als junger Mensch auf der Suche nach beruflicher Erfüllung ist, der sollte sich nach dem Schulabschluss bei den Ausbildungsberufen umschauen, denn dort gibt es jede Menge Jobs mit Perspektive. Wer daran mitwirken will, dass der Handwerkstermin nicht länger auf sich warten lässt, wer dafür sorgen möchte, dass im Lieblingsrestaurant auch in Zukunft hochwertige Speisen angeboten werden oder wer mit Liebe zum Detail auf die Kunden eingeht und deshalb den nächsten Geschenkeeinkauf beraten möchte, der ist hier genau richtig. Bei meiner Sommertour "12 Tage - 12 Jobs" arbeite ich jedes Jahr an zwölf Tagen in zwölf Ausbildungsbetrieben mit. Nicht nur mal beim Geschäftsführer zum Kaffee vorbeischauen, sondern wirklich eintauchen in die Arbeitswelt eines Auszubildenden. Nirgends bekomme ich so unmittelbare Einblicke in unterschiedliche Ausbildungs- und Berufsfelder. Was bei mir dabei vor allem hängengeblieben ist: So viele junge Menschen haben nicht ihren Beruf, sondern ihre Berufung gefunden. Denn für die Karriere braucht es nicht zwingend einen Hörsaal.
Der Fachkräftemangel ist in allen Betrieben, in denen ich vor Ort sein durfte, spürbar. Und er zeigt sich vor allem in Berufen, die nicht einfach durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden können. Juristen und Politologen bekommen durch KI Konkurrenz - aber eine KI kann keine Fliesen verlegen, Wände streichen oder Kunden im Geschäft persönlich individuell beraten.
Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen zugleich: Oft finden Ausbildungsplätze und junge Menschen räumlich oder fachlich nicht zusammen. Bis August 2026 wurden rund 451.000 Ausbildungsstellen gemeldet, etwas weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig waren noch 116.000 Plätze unbesetzt, während 102.000 Bewerber weder einen Ausbildungsplatz noch eine Alternative gefunden hatten.
Ganz gleich, ob Kundenberatung im Laden, Präzisionsarbeit im Handwerk oder Tempo und Übersicht im Lager: Jeder Tag meiner Sommertour hat mir gezeigt, wie viel Können und Leidenschaft in unseren Ausbildungsberufen stecken - und welche Karrierewege sie eröffnen. Gerade der Handel bietet weit mehr als den klassischen Verkauf: Der junge Ausbildungsberuf Kaufmann oder Kauffrau im E-Commerce etwa verbindet kaufmännisches Können mit digitalen Kompetenzen. Ausbildung ist heute viel moderner, als manche denken. Meine Gespräche haben gezeigt: Es fehlt nicht nur an Bewerbern - auch fehlende Qualifikationen und unrealistische Berufsvorstellungen sind Teil des Problems. Deshalb braucht es eine frühe und praxisnahe Berufsorientierung, die nicht erst kurz vor dem Schulabschluss beginnt. Junge Menschen müssen Berufe erleben, statt sie nur aus Broschüren kennenzulernen. Mehr Praktika, Ausbildungsmessen und eine engere Zusammenarbeit von Schulen und Unternehmen können aufzeigen, welche Wege offenstehen. Und wir müssen sicherstellen, dass Schulabgänger die Grundlagen für die Ausbildung gelegt haben. Auch da haben wir in der Politik noch jede Menge Hausaufgaben zu tun.
Ausbildung braucht aber auch wirtschaftlich starke Betriebe, die langfristig in ihren Nachwuchs investieren können. Hohe Kosten, Überregulierung und wirtschaftliche Unsicherheit erschweren Investitionen in den Nachwuchs. Wir brauchen Entlastungen und Planungssicherheit für unsere Ausbildungsbetriebe. Denn wer heute ausbildet, sichert die Fachkräfte, die unsere Wirtschaft morgen braucht.
Mein Rat an junge Menschen lautet deshalb: Schaut euch Betriebe an, macht Praktika und probiert Berufe aus, die ihr bisher nicht auf dem Zettel hattet. Wer Verantwortung übernehmen, ordentliches Geld verdienen und einen Job mit Zukunft haben will, ist mit einer Ausbildung bestens aufgehoben.

