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Innenstädte als Handelsstandorte erhalten: Was muss sich ändern?

Ein Beitrag von Lutz Brinkmann, CDU-Bundestagsabgeordneter.

Lutz BrinkmannLiebe Leserinnen und Leser,
was braucht eine Innenstadt, damit sich eine Familie am Samstag gerne zum Einkaufen in der Innenstadt trifft, länger bleibt und dies in der nächste Woche wiederholt?
Die Antwort sehe ich in einem guten kommunalen Konzepts aus leicht erreichbaren Geschäften, inhabergeführten Einzelhandelsunternehmen, Independent Stores sowie einigen Filialisten. Fürs Drumherum wünsche ich mir einem schattigen Platz, an dem ich mit meiner Frau und meinen drei Kindern zwischendurch eine Pause einlegen kann.

Dem Handel vor Ort kommt dabei eine bedeutende Rolle zu. In der Untersuchung „Vitale Innenstädte 2024“ haben 61 Prozent der befragten Besucher das Einkaufen als wichtigsten Beweggrund zum Besuch einer Innenstadt angegeben. Hinter den Läden stehen Menschen mit Unternehmergeist und Fachkompetenz, die ein wirtschaftliches Risiko eingegangen sind und investiert haben, sie bilden aus und öffnen jeden Morgen zuverlässig ihre Laden-Türen. Sie verdienen es, dass sie vernünftige Bedingungen vorfinden, damit sich ihr Einsatz auch rechnet.

Aus meiner kommunalpolitischen Erfahrung im Osnabrücker Land weiß ich, dass wer sich aus einem Dorf zum Einkaufen in die Innenstadt auf den Weg macht, eine unkomplizierte Verkehrsanbindung braucht. Bei uns auf dem Land ist das meist das Auto. Gut ausgeschilderte, bezahlbare Parkmöglichkeiten ebenso wie Busse, sichere Radwege und kurze, barrierefreie Fußwege werden daher für den Innenstadtbesuch vorausgesetzt.
Ein gutes Verkehrskonzept verknüpft diese Ansprüche. Lieferverkehr und Baustellen müssen von den Kommunen da mitgedacht und sorgfältig geplant werden. Die Händler vor Ort gehören bei einer partnerschaftlichen Planung von Wirtschaft und Kommune frühzeitig an den Tisch. Erreichbarkeit plus angenehmes Stadtbild sind ein Muss.

Als Bauingenieur sehe ich, wie Menschen Gebäude und Plätze nutzen. Gepflegtes Umfeld, Fassaden, belebte Erdgeschosse, Bäume und Sitzgelegenheiten machen unsere Zentren einladend. Im Sommer gehören Hitzeschutz und schattenspendende Begrünung sowie öffentliche Trinkwasserspender dazu und saubere, barrierefreie und gebührenfreie Toiletten sollten selbstverständlich auch dazugehören. Familien brauchen Wickelmöglichkeiten und Platz zum Spielen. Wer solche Angebote schafft, muss aber auch Reinigung, Pflege und Betrieb von Anfang an mitfinanzieren. Einkaufen, Gastronomie, Wochenmarkt und Kultur gehören zum Mix dazu.

Dass davon auch der Handel profitieren kann, zeigt dieselbe Untersuchung: 47 Prozent der Besucher, die wegen Freizeit oder Kultur kamen, haben auch Geld beim Einkaufen ausgegeben. Deshalb sollten Händler, Gastronomen, Eigentümer und Kommune ihre Angebote gemeinsam entwickeln und aufeinander abstimmen. Einfachere Umbauten und schnellere Nutzungsänderungen können dabei helfen, leerstehende Räume wieder zu beleben.

Die Kommunen brauchen dafür neben gutem Willen und Phantasie aber auch finanziellen Handlungsspielraum, der ihnen inzwischen aber oftmals kaum noch zur Verfügung steht. Ihr Defizit in den Flächenländern lag 2025 laut Kommunalem Finanzreport 2026 bei nahezu 32 Milliarden Euro. Wenn wir also über gepflegte Plätze und verlässliche Angebote sprechen und diese von unseren Kommunen erwarten, müssen wir auch über die Kommunalfinanzen sprechen.

Die Aufgabe an Bund und Länder ist dabei eindeutig: übertragene Aufgaben müssen schon verlässlich finanziert werden können, Förderverfahren müssen für Kommunen vereinfacht werden, damit sie jeder städtische Angestellte und jede Kommunalbeamtin stellen kann, ohne dafür zuvor eine gesonderte Schulung durchlaufen zu haben. Private Investitionen werden nur erfolgen, wenn im Gegenzug mit zügige Genehmigungen und berechenbaren Bedingungen zu rechnen ist. Gute Innenstadtpolitik verbindet unternehmerische Initiative mit einer handlungswilligen und -fähigen Kommune.

Was bringt also die Familie also zurück ins Zentrum? Attraktive Geschäfte, eine einfache Anreise und ein Umfeld, in dem sich alle willkommen fühlen. Wenn das zusammenpasst, bleibt unsere Mitte generationenübergreifend lebendig. Dafür setze ich mich politisch ein.

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