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Der Handel ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt

Ein Beitrag von Swantje Michaelsen (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied des Deutschen Bundestags. Fotorechte: Stefan Kaminski

Swantje Michaelsen Fotorechte Stefan KaminskiHandel und Innenstadt stehen in enger Beziehung zueinander. Der Handel ist ein zentraler Frequenzbringer und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt. Doch seit Jahren verändert sich das Einkaufsverhalten: Onlinehandel, veränderte Konsumgewohnheiten und die Folgen der Corona-Pandemie stellen den stationären Handel weiterhin vor große Herausforderungen.

Daraus ergeben sich für die Politik zwei zentrale Handlungsfelder: die Stärkung des bestehenden Handels und die Steigerung der Attraktivität der Innenstädte.

Erstens: gute Erreichbarkeit sichern

Eine gute und verlässliche Erreichbarkeit ist für ein positives Einkaufserlebnis maßgeblich. Menschen fragen sich nicht zuerst, wie sie in die Innenstadt kommen. Sie fragen sich, ob sie ihre Einkäufe in der Innenstadt oder online erledigen. Eine komfortable Anreise erleichtert die Entscheidung. In der Vergangenheit wurde in vielen Fällen für einzelne Verkehrsträger argumentiert, anstatt eine bedarfsgerechte Erreichbarkeit zu gewährleisten. Dabei ist eine sichere und unkomplizierte Anreise mit dem Fahrrad, dem ÖPNV oder dem Auto möglich. Die Politik muss dafür für sichere Radwege, einen leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehr und intelligente Parkleitsysteme sorgen. Dafür braucht es von der Fahrbahn getrennte Radwege an Hauptverkehrsstraßen und sichere Kreuzungen ebenso wie Busse und Bahnen, die die Innenstadt regelmäßig und verlässlich mit umliegenden Orten verbinden oder die Gewissheit, dass ein freier Parkplatz gezielt erreicht werden kann.

Neben der Erreichbarkeit für die Menschen muss auch die innerstädtische Logistik stärker in den Mittelpunkt gerückt werden. Mit einer intelligenten Logistik über innenstadtnahe Hubs kann die Anlieferung der Geschäfte effizient organisiert werden Gleichzeitig können Kundeneinkäufe über diese Hubs bequem direkt nach Hause geliefert werden. Der stationäre Einzelhandel kann das Erleben und Ausprobieren von Produkten im Laden mit der bequemen Lieferung an die Haustür verbinden. Das stärkt die Kundenbindung und verbindet die Stärken des stationären Handels mit dem Komfort des Onlinehandels.

Zweitens: mehr Attraktivität für Innenstädte

Die Attraktivität der Innenstädte und die Zukunft des Handels sind eng miteinander verknüpft. Menschen nutzen Innenstädte zum Einkaufen und Verweilen, wenn sie sich dort wohlfühlen. Dazu gehören ein sicheres und sauberes Umfeld, Wasser und Grün, schattige Orte an heißen Tagen sowie Möglichkeiten für einen konsumfreien Aufenthalt. Leerstände beeinträchtigen die Aufenthaltsqualität, denn sie lösen allzu oft eine Abwärtsspirale aus: Weniger Frequenz, Schmutz und das Gefühl von Unsicherheit belasten das direkte Umfeld und die anliegenden Geschäfte und kann weitere Leerstände auslösen. Durch ein professionelles Innenstadtmanagement können Leerstände frühzeitig identifiziert und durch eine enge Zusammenarbeit zwischen der kommunalen Verwaltung und lokalen Stakeholdern wie Vereinen, Bildungs- und Kultureinrichtungen auch neue Nutzungskonzepte entwickelt werden. So entstehen zusätzliche Anreize für einen Innenstadtbesuch:  Bildungseinrichtungen wie Universitäten oder Berufsschulen können dabei wichtige Ankernutzungen sein und zusätzliche Frequenz, gerade auch von jungen Leuten, erzeugen. Auch Freizeit-, Kultur- und Sportangebote können neue Nutzergruppen ansprechen. Für den Wandel vom reinen Einkaufsstandort zur multifunktionalen Innenstadt ist dabei eine ausgewogene Mischung entscheidend.

Diese Lösungsansätze kommen bereits an einigen Orten zum Einsatz. Wenn sie zusammengedacht und konsequent mit allen Beteiligten umgesetzt werden, wird der Handel auch künftig eine tragende Rolle in unseren Innenstädten spielen.