Jetzt ein Erfolgsmodell gestalten: Positionen zur Einführung eines digitalen Euro
216.73.216.142Der Handelsverband Deutschland (HDE) unterstützt grundsätzlich die Ziele der Europäischen Zentralbank (EZB) und der EU-Kommission zur Einführung des digitalen Euros. Die Stärkung der europäischen Souveränität, der Schutz der Anonymität sowie die Förderung von Wettbewerb und Innovation im Zahlungsverkehr sind zentrale Anliegen, die im täglichen Geschäft zwischen Handel und Verbrauchern eine wichtige Rolle spielen.
Leider wird der Gedanke der Schaffung eines digitalen Zwillings von Bargeld zu sehr beeinflusst durch die Interessen der Kreditwirtschaft. Insbesondere der Ansatz des sogenannten Kompensationsmodells ist hier ein Beispiel. Danach soll der Handel für die entstehenden Kosten der Banken für die Bereitstellung und Abwicklung aufkommen. Hinzu kommt: die Kosten für die Abwicklung eines digitalen Euros sollen nicht anhand seiner echten Aufwände auf der kreditwirtschaftlichen Seite ermittelt werden, sondern sich an den Kosten der etablierten Zahlverfahren orientieren, bei denen es nur eingeschränkt Preiswettbewerb auf der Akzeptanzseite gibt. Mit diesem Ansatz wird die Chance auf echte Innovationen vertan.
Wenn der digitale Euro auch in der Gesellschaft ankommen und im Handel gelebt werden soll, ist eine ehrliche und gerechte Preispolitik angesagt. EuroCommerce und der HDE haben dazu eine feste Gebühr von 0,1% für Transaktionen bis 40 Euro und 4 Cent pro Transaktion ab 40 Euro vorgeschlagen. So wird eine wirksame Schutzmaßnahme gegen Gebührensteigerungen durch Banken, PSPs oder Schemes bei „vergleichbaren digitalen Zahlungsmitteln“ geschaffen.
Für die Ausgestaltung der regulatorischen Rahmenbedingungen sind daherfolgende Punkte zu beachten:
- Vermeidung ineffizienter Interchange-Modelle, komplexer Defunding-Prozesse und verpflichtender Zusatzfunktionen
- Einbeziehung aller Zahlungsdienstleister in die Kostenbetrachtung; prozentuale Gebühren bei risikolosen Zahlungen sollten vermieden werden
- Einführung praxisgerechter Haltegrenzen, um den Buchungsaufwand zu minimieren und auch kleinen Unternehmen sowie Großhändlern die Nutzung zu ermöglichen
- Ermöglichung von Surcharging, damit Händler die Kosten verschiedener Zahlverfahren transparent an Kunden weitergeben können
- Parallele Entwicklung einer Offline-Option für den digitalen Euro
Insgesamt kann der digitale Euro zu mehr Effizienz, niedrigeren Kosten für den Handel und mehr Innovation im Zahlungsverkehr führen – vorausgesetzt, die Anforderungen des Handels werden berücksichtigt und es entsteht kein Zwangssystem durch eine Akzeptanzpflicht, das nicht auf Überzeugung basiert.
Die ausführliche Position finden Sie in unserem Positionspapier.
