Milchgipfel im Bundeslandwirtschaftsministerium - Handelsverbände: Landwirte durch Risikomanagement stärken

Mit Blick auf den heutigen Milchgipfel im Bundeslandwirtschaftsministerium machen der Handelsverband Deutschland (HDE) und der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) deutlich, dass der Schlüssel zur Stärkung der Landwirte im aktiven Management der weltweiten Marktschwankungen liegt. Landwirte sollten sich durch Vorsorgemechanismen wie einer Risikoausgleichsrücklage besser für Abschwungphasen wappnen. Die Erlöse bei frischen Lebensmitteln wie Milchprodukten sind durch volatile Weltmarktpreise geprägt. Rund 50 Prozent der deutschen Rohmilch werden von den Molkereien im Export vermarktet. In den Regalen des Handels landet hingegen nur ein Bruchteil der Rohmilch.

„Gemeinsam wurde heute festgestellt, dass die wesentliche Ursache für den aktuellen Preisverfall in den weltweiten Überkapazitäten bei Milch zu finden ist. Wirtschaft und Politik müssen deshalb verstärkt Wege des Risikomanagements in den Blick nehmen. Die Landwirtschaft kann nur gestärkt werden, wenn wiederkehrende weltweite Marktschwankungen durch strategische Vorsorge abgefedert werden. Die heute diskutierten Ansätze zur Rücklagenbildung sind erste wichtige Schritte.“, erklärt BVLH-Präsident Björn Fromm.

Zugleich verweist Fromm darauf, dass der Lebensmitteleinzelhandel bereits im September des vergangenen Jahres vor der aktuellen Entwicklung gewarnt habe. „Die jetzige Situation zeigt, wie wichtig ein vorausschauendes Marktmanagement und Risikovorsorgeinstrumente sind“, so Fromm.

Auch zu Beginn des Jahres 2026 liegt das Milchaufkommen weiterhin deutlich über dem Vorjahresniveau (+5,9 Prozent). Daher sind die Preise zuletzt weiter zurückgegangen, was Marktbeobachter als üblicher Folge eines Überangebots am Markt betrachten. Sobald Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht kommen, erwartet das ife Kiel eine Stabilisierung, gefolgt von mittelfristigen Aufwärtstendenzen, sodass die Preise voraussichtlich wieder steigen werden.

„Der Handel versteht sich als verlässlicher Partner der Landwirte und wir nehmen die aktuelle Situation sehr ernst. Zugleich stehen die Unternehmen des Lebensmittelhandels in einem intensiven Wettbewerb zueinander, nicht nur um Preise, aber sie haben natürlich eine erhebliche wettbewerbliche Bedeutung“, betont HDE-Vizepräsident Dr. Sven Spork. „Dieser intensive Wettbewerb im Handel befördert die Balance zwischen angemessenen und bezahlbaren Preisen sowie hohen Qualitäten für die Verbraucher und gleichzeitig dem Streben nach auskömmlichen Preisen für Erzeuger.“

Die Preisbildung bei Milch erfolgt entlang der gesamten Lieferkette und wird maßgeblich durch die Verarbeitung in Molkereien sowie den Export bestimmt. „Der Handel ist hier der falsche Hebel. Direkte Vertragsverhältnisse zwischen Handelsunternehmen und landwirtschaftlichen Betrieben sind eher selten“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

„Verhandlungspartner des Handels sind in der Regel nicht einzelne Landwirte, sondern stark konzentrierte Agrargroßunternehmungen. Entsprechend gering ist der Einfluss des Handels auf die Preissetzung bei frischen Lebensmitteln wie Milch.“ Landwirtschaftliche Erzeugnisse würden von den Höfen üblicherweise zunächst an Zwischenstufen wie Molkereien geliefert. Diese exportieren 49 Prozent der in Deutschland produzierten Milchmenge. Angebot und Nachfrage auf den Weltmärkten spielten eine zentrale Rolle. „Nur rund zwölf Prozent der Milchmenge landen als Trinkmilch in den Regalen des Handels“, so Genth weiter.

Eine Stärkung der Landwirtschaft lässt sich aus Sicht von HDE und BVLH nur durch wirkungsvolle und nachhaltige politische Rahmenbedingungen erreichen. Kostentreiber wie Bürokratie, Umweltauflagen sowie fehlende Planungssicherheit auf der Ertragsseite stellen Landwirte vor große Herausforderungen, die der Handel nicht lösen kann.