Keine Patentlösung für Wohnungsbaukrise: Wohnen über Lebensmitteleinzelhandel nicht flächendeckend möglich
- 18.02.2026
Mit Blick auf die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt warnt der Handelsverband Deutschland (HDE) davor, im Wohnen über dem Lebensmitteleinzelhandel eine flächendeckende Lösung für die Wohnungsbaukrise zu sehen.
Die meisten Handelsstandorte seien nicht für die Umwandlung in Mixed-Used-Immobilien aus Einzelhandel und Wohnen geeignet. Das Wohnen über dem Lebensmitteleinzelhandel wird daher laut HDE auch in Zukunft nur eine Nische bleiben und den Wohnraumbedarf nicht decken können.
„Wer glaubt, die Wohnungsbaukrise allein durch das Überbauen der Gebäude des Lebensmittelhandels lösen zu können, wird in der Praxis scheitern. Die meisten bestehenden Gebäude sind statisch überhaupt nicht dafür ausgelegt“, so Michael Reink, HDE-Bereichsleiter Standort- und Verkehrspolitik. In erster Linie seien die Gebäude zur Schaffung zeitgemäßer Handelsstandorte mit entsprechender Verkaufsflächengröße und Filiallogistik errichtet worden. „An Mixed-Use-Immobilien bestehen neben speziellen baulichen Anforderungen auch vielfältige wirtschaftliche Anforderungen“, so Reink weiter. Diese Immobilien kosteten in der Regel das Fünf- bis Zehnfache einer klassischen Handelsimmobilie und seien in der Planung, im Bau und im Betrieb erheblich aufwendiger. Zu den Herausforderungen einer Mischung von Einzelhandel und Wohnen gehörten der Schallschutz (beispielsweise aufgrund von Klimaanlagen, Müllpressen, Anlieferung, Lautsprecherdurchsagen, Einkaufswagen, Kundenverkehr), Geruchsemissionen etwa durch Lüftungsgeräte und Fettabscheider sowie Lichtemissionen durch Beleuchtung der Wohnungen im Zuge des Kunden- und Lieferverkehrs. „Daher wird das Wohnen über dem Lebensmitteleinzelhandel immer eine Nische bleiben“, betont Reink.
Zwar plant, baut und betreibt der Lebensmitteleinzelhandel seit Jahren derartige Mixed-Use-Immobilien. „Diese Spezialimmobilien funktionieren allerdings nur an ausgewählten Standorten und sind in keiner Weise geeignet, den Wohnungsfehlbestand abzumildern“, so Reink.