Ausbildungsstart 2026: Handel bleibt eine der wichtigsten Ausbildungsbranchen - kämpft aber weiter um Nachwuchs

Im August und September starten bundesweit wieder tausende Berufseinsteiger in ihr erstes Ausbildungsjahr. Der Handelsverband Deutschland (HDE) sieht sich in seiner Branche mit anhaltenden Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen konfrontiert.

Trotz einer konjunkturell angespannten Lage bleibt die Ausbildung ein wichtiger Pfeiler des deutschen Arbeitsmarktes: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit wurden im Zeitraum von Oktober 2025 bis Juli 2026 rund 451.000 Ausbildungsplätze gemeldet. Dem standen etwa 433.000 registrierte Bewerberinnen und Bewerber gegenüber. Rechnerisch kamen damit auf 100 betriebliche Ausbildungsplätze 96 Ausbildungsgesuche.

In der Praxis gestaltet sich die Zusammenführung von Ausbildungsbetrieben und Jugendlichen jedoch zunehmend schwierig. Häufig passen Ausbildungsplatzangebot und Bewerberseite weder regional noch hinsichtlich Berufswünschen, Qualifikationen oder Erwartungen ausreichend zusammen.

„Neben Defiziten im Arbeits- und Sozialverhalten, etwa hinsichtlich Belastbarkeit, Verlässlichkeit und Eigenverantwortung, berichten die Betriebe von fehlenden kognitiven Grundlagen sowie Schwächen in Mathematik, Deutsch und wirtschaftlichem Basiswissen. Darüber hinaus fehlt es aus Sicht vieler Unternehmen häufig an einer ausreichenden Berufsorientierung und an realistischen Vorstellungen über die Inhalte und Anforderungen der jeweiligen Ausbildungsberufe“, sagt Anna Noack, HDE-Leiterin Berufsbildung und Bildungspolitik.

Die Folgen sind deutlich sichtbar: Laut einer Befragung des HDE konnten im Ausbildungsjahr 2025 nur etwas mehr als ein Viertel der Unternehmen sämtliche angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Gleichzeitig blieb bei mehr als einem Drittel der Betriebe trotz vorhandener Ausbildungsbereitschaft mindestens eine Ausbildungsstelle unbesetzt, vielfach sogar das gesamte Ausbildungsplatzangebot.

Der Ausbildungsstart 2026 macht damit zweierlei deutlich: Der Handel bleibt eine tragende Säule der dualen Ausbildung in Deutschland und bietet weiterhin hervorragende Einstiegsmöglichkeiten ins Berufsleben. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass die Gewinnung geeigneter Nachwuchskräfte zunehmend zur Schlüsselaufgabe wird. „Um das Potenzial der dualen Ausbildung künftig noch besser auszuschöpfen, braucht es eine stärkere Berufsorientierung, eine frühzeitige Heranführung junger Menschen an die Arbeitswelt sowie gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Ausbildungsreife“, fordert Noack.

Nur wenn es gelinge, Angebot und Nachfrage besser zusammenzuführen, könne die duale Ausbildung ihre zentrale Rolle für Fachkräftesicherung, wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftlichen Zusammenhalt dauerhaft erfüllen.

Die HDE-Forderungen zur Ausbildung unter: einzelhandel.de/15332