Digitale Zahlungsmittel: Handelsverband lehnt Akzeptanzpflicht ab

Mit Blick auf die in den vergangenen Tagen bekannt gewordenen Eckpunkte aus dem Bundesfinanzministerium zu Kartenzahlungen macht der Handelsverband Deutschland (HDE) seine ablehnende Haltung deutlich.

„Es ist vollkommen unnötig, sich für die Wahlfreiheit zwischen Bargeld und Kartenzahlung politisch stark zu machen. Die Politik ist hier längst von der Realität überholt worden, an den Kassen des Einzelhandels geht in 99 Prozent der Fälle ohnehin längts beides. Gesetzliche Vorgaben, die die Akzeptanz einer unbaren Zahlungsart vorschreiben oder auch eine mögliche Bargeldakzeptanzpflicht sind daher zumindest im Einzelhandel völlig unnötig und schaffen nur zusätzliche Bürokratie“, so HDE-Experte Ulrich Binnebößel. Die Verpflichtung aller Gewerbetreibenden zur Kartenakzeptanz wirke allerdings wie ein Konjunkturprogramm für die Kartenbranche. Insbesondere die globalen Kartensysteme könnten so weitere Erfolge erzielen. „Eine gesetzliche Pflicht zur Akzeptanz eines gebräuchlichen Verfahrens schafft Unsicherheiten, die man als Händler nur durch Akzeptanz aller gebräuchlichen Verfahren lösen kann. Die verpflichtende Akzeptanz eines einzelnen gebräuchlichen Verfahrens weckt bei Kunden die Erwartungshaltung, dass ihre persönliche Karte akzeptiert wird, die sie in der Tasche haben. Doch immer mehr Banken geben die aus Handelssicht unbeliebten teuren Karten der globalen Marken aus. Das bedeutet, dass in der Praxis dann die ganze Bandbreite an Karten akzeptiert werden muss. Ansonsten entstehen komplizierte Kundengespräche, die Ärger machen, sowie Zeit und Geld kosten. Den Gewerbetreibenden drohen also weitere Kosten, ohne dass ein direkter Vorteil für sie ersichtlich ist“, so Binnebößel weiter.

Der HDE fordert deshalb: Wenn schon eine Akzeptanzpflicht entsteht, dann kann dies nur mit der Option der verursachergerechten Weitergabe der Kosten einhergehen. Dies ist heute weitgehend gesetzlich untersagt. Mit der Akzeptanzpflicht muss es eine Möglichkeit zum sogenannten Surcharging – also zur Weitergabe der Kartengebühren durch die Händler an die Endkunden - geben.

Binnebößel: „Noch besser wäre es, wenn sich die Politik um kostengünstigere unbare Zahlverfahren kümmern würde und damit die Kartenakzeptanz attraktiver machen würde - ganz ohne Zwang. Der digitale Euro wird ohnehin zwingend akzeptiert werden. Hier sehen wir die Politik in der Pflicht, für kostengünstige Abwicklungsoptionen zu sorgen. Im Übrigen ist die zwangsweise Kartenakzeptanz kein gutes Signal in Zeiten, wo wir uns vielmehr um den Rückgang der Barzahlung Gedanken machen sollten.“