HDE-Forderungen zur Stärkung der Ausbildung

Der Einzelhandel übernimmt Verantwortung für die berufliche Zukunft junger Menschen. Mit seinen vielfältigen Ausbildungsangeboten bietet er Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen direkten Einstieg in das Berufsleben und eröffnet ihnen zahlreiche Möglichkeiten für eine erfolgreiche berufliche Entwicklung. Die Unternehmen investieren dafür erheblich in die Ausbildung und Weiterentwicklung ihres Nachwuchses.

Die duale Ausbildung ist zugleich ein wesentlicher Baustein für die Fachkräftesicherung im Einzelhandel. Sie verbindet berufliche Praxis mit schulischer Bildung und schafft damit eine wichtige Grundlage für qualifizierte Fachkräfte. Gerade angesichts des demografischen Wandels und des zunehmenden Fachkräftebedarfs ist es im gemeinsamen Interesse von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, junge Menschen für eine berufliche Ausbildung zu gewinnen und ihnen einen erfolgreichen Start in das Berufsleben zu ermöglichen.

Die Rahmenbedingungen dafür werden jedoch schwieriger. Viele Ausbildungsbetriebe haben zunehmend Schwierigkeiten, geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu finden. Gleichzeitig berichten Unternehmen von Defiziten bei grundlegenden Kompetenzen, die für einen erfolgreichen Einstieg in Ausbildung und Beruf erforderlich sind. Die aktuellen Rückmeldungen der Ausbildungsbetriebe zeigen damit: Die Herausforderungen am Ausbildungsmarkt beginnen vielfach bereits vor dem ersten Ausbildungstag.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) setzt sich daher für ein Ausbildungssystem ein, das junge Menschen frühzeitig stärkt, berufliche Perspektiven sichtbar macht, praktische Erfahrungen ermöglicht und Unternehmen beim Ausbilden unterstützt. Um die Ausbildung im Einzelhandel zu stärken, sollte die Politik unverzüglich die folgenden Maßnahmen in Angriff nehmen:

1. Schulische Grundkompetenzen stärken

Eine erfolgreiche duale Ausbildung setzt grundlegende Kompetenzen voraus. Dazu gehören insbesondere sichere Deutschkenntnisse, mathematische Grundkenntnisse, wirtschaftliches Verständnis, digitale Kompetenzen sowie die Fähigkeit zu selbstständigem Arbeiten und zur Einschätzung und Lösung von Problemen.

Notwendige Maßnahmen:

  • Deutsch und Mathematik als zentrale Grundkompetenzen konsequent stärken.
  • Wirtschaftliche und finanzielle Grundbildung stärker im Schulunterricht verankern.
  • Digitale Kompetenzen und einen sicheren Umgang mit digitalen Technologien verbindlich vermitteln.
  • Lernrückstände frühzeitig erkennen und gezielt angehen.
  • Schülerinnen und Schüler systematischer auf die Anforderungen des Berufslebens vorbereiten.
  • Den Übergang von Schule in Ausbildung insbesondere bei Jugendlichen mit Unterstützungsbedarf frühzeitig begleiten.

2. Berufsorientierung früher und praxisnäher gestalten

Viele junge Menschen kennen nur einen begrenzten Ausschnitt der beruflichen Möglichkeiten. Gleichzeitig gibt es eine große Zahl attraktiver Ausbildungsberufe, deren Inhalte und Karriereperspektiven Jugendlichen und Eltern wenig bekannt sind.

Das betrifft auch den Einzelhandel.

Notwendige Maßnahmen:

  • Berufsorientierung bereits in frühen Schuljahren verbindlich verankern.
  • Berufsorientierung als kontinuierlichen Prozess statt als einzelne Veranstaltung organisieren.
  • Mehr echte Praxiserfahrungen ermöglichen.
  • Betriebspraktika als festen Bestandteil der Berufsorientierung stärken.
  • Unternehmensbesuche und Betriebserkundungen ausbauen.
  • Schülerinnen und Schüler regelmäßig mit Auszubildenden und jungen Fachkräften zusammenbringen.
  • Eltern stärker in die Berufsorientierung einbeziehen.
  • Berufsorientierung auch an Gymnasien systematisch ausbauen.

3. Schule und Wirtschaft besser vernetzen

Berufsorientierung funktioniert besonders gut, wenn junge Menschen Berufe nicht nur erklärt bekommen, sondern sie tatsächlich erleben.

Deshalb braucht es dauerhafte und verlässliche Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen.

Notwendige Maßnahmen:

  • Schulen beim Aufbau langfristiger Kooperationen mit Unternehmen unterstützen.
  • Bildungspartnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen flächendeckend ermöglichen.
  • Unternehmen stärker in die schulische Berufsorientierung einbeziehen.
  • Ausbildungsbotschafter und vergleichbare Formate ausbauen.
  • Praktikumsplätze und Unternehmenskooperationen leichter vermitteln.
  • Schulen ausreichend Zeit und personelle Ressourcen für Berufsorientierung zur Verfügung stellen.
  • Erfolgreiche regionale Modelle bundesweit stärker verbreiten.

4. Ausbildungsförderung vereinfachen

Nicht jeder Jugendliche startet mit denselben Voraussetzungen in eine Ausbildung. Manche benötigen zusätzliche Unterstützung beim Übergang in Ausbildung oder während der Ausbildung.

Notwendige Maßnahmen:

  • Ausbildungsförderung aus einer Hand organisieren.
  • Unternehmen einen zentralen und leicht erreichbaren Ansprechpartner zur Verfügung stellen.
  • Förderangebote verständlicher und transparenter gestalten.
  • Antrags- und Bewilligungsverfahren deutlich vereinfachen.
  • Unterstützungsangebote frühzeitig und unbürokratisch bereitstellen.
  • Unternehmen besser über bestehende Fördermöglichkeiten informieren.
  • Förderinstrumente stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen der Ausbildungsbetriebe ausrichten.

5. Mobilität und Wohnraumzugang verbessern

Ausbildung darf nicht daran scheitern, dass Ausbildungsbetrieb oder Berufsschule nicht erreichbar oder bezahlbarer Wohnraum nicht vorhanden ist.

Gerade der Einzelhandel ist flächendeckend aufgestellt. Ausbildungsplätze entstehen deshalb auch außerhalb großer Ballungsräume. Gleichzeitig können lange Wege zwischen Wohnort, Ausbildungsbetrieb und Berufsschule entstehen.

Notwendige Maßnahmen:

  • Einen zuverlässigen und bezahlbaren öffentlichen Nahverkehr für Auszubildende sicherstellen.
  • Vergünstigte Mobilitätsangebote für Auszubildende bundesweit attraktiv ausgestalten.
  • Berufsschulstandorte möglichst wohn- und ausbildungsortnah erhalten.
  • Bei langen oder unzumutbaren Wegen flexible Lösungen zwischen Regionen und Ländern ermöglichen.
  • Ausbildungswohnen und Wohnheimplätze insbesondere in Regionen mit angespanntem Wohnungsmarkt ausbauen.
  • Bestehende Fördermöglichkeiten für Jugendwohnheime und vergleichbare Angebote stärker auf die Bedürfnisse von Auszubildenden ausrichten.

6. Duale Ausbildung als gleichwertigen Bildungsweg stärken

Die duale Ausbildung eröffnet vielfältige berufliche Perspektiven. Dennoch wird sie gesellschaftlich teilweise noch immer als Alternative zweiter Wahl zum Studium wahrgenommen.

Das wird den tatsächlichen Karrierewegen nicht gerecht.

Notwendige Maßnahmen:

  • Die Gleichwertigkeit der Chancen von beruflicher und akademischer Bildung stärker politisch und gesellschaftlich vermitteln.
  • Karrierewege nach einer Ausbildung sichtbarer machen.
  • Berufliche Fort- und Weiterbildungen stärker in der Berufsorientierung berücksichtigen.
  • Erfolgreiche Karrierebeispiele aus dem Einzelhandel stärker in Schulen vorstellen.
  • Die höherqualifizierende Berufsbildung bekannter machen.
  • Übergänge zwischen beruflicher und akademischer Bildung weiter erleichtern.

7. Ausbildungsbetriebe bürokratisch entlasten

Neben den klassischen Bildungsfragen muss auch die betriebliche Seite der Ausbildung berücksichtigt werden.

Ausbildungsunternehmen investieren erhebliche Zeit und Ressourcen in die Gewinnung, Betreuung und Qualifizierung junger Menschen. Gerade kleinere Handelsunternehmen müssen dabei mit begrenzten personellen Kapazitäten arbeiten.

Notwendige Maßnahmen:

  • Neue bürokratische Anforderungen an Ausbildungsbetriebe auf das notwendige Maß begrenzen.
  • Bestehende Dokumentations- und Nachweispflichten regelmäßig auf ihre Notwendigkeit überprüfen.
  • Digitale und standardisierte Verfahren für Ausbildungsprozesse stärker nutzen.
  • Kleine und mittelständische Ausbildungsunternehmen bei neuen Anforderungen besonders berücksichtigen.
  • Bei neuen Förder- und Ausbildungsregelungen frühzeitig die Praxisperspektive der Unternehmen einbeziehen.

8. Ausbildungsbereitschaft stärken statt Betriebe belasten

Die auf politischer Ebene diskutierte Ausbildungsumlage setzt am falschen Punkt an. Vorgesehen ist, Unternehmen zur Zahlung einer Abgabe zu verpflichten, wenn ihre Ausbildungsquote unter dem Bundesdurchschnitt liegt.

Gerade im Einzelhandel ist fehlende Ausbildungsbereitschaft jedoch nicht das zentrale Problem. Viele Unternehmen wollen ausbilden und stellen Ausbildungsplätze bereit. Häufig scheitert die Besetzung vielmehr daran, dass geeignete Bewerberinnen und Bewerber fehlen.

Notwendige Maßnahmen:

  • Mehr politische Aufmerksamkeit für die berufliche Bildung und die duale Ausbildung schaffen.
  • Die Attraktivität und gesellschaftliche Wertschätzung der Ausbildung erhöhen.
  • Maßnahmen ergreifen, die die Passung zwischen Ausbildungsangeboten und Bewerberinnen und Bewerbern verbessern.
  • Die Debatte über eine Ausbildungsumlage beenden. Sie würde auch Unternehmen treffen, die Ausbildungsplätze anbieten, aber aufgrund fehlender geeigneter Bewerberinnen und Bewerber nicht besetzen können. Die Ausbildungsumlage setzt Fehlanreize und wirkt nicht im Sinne der Attraktivität der beruflichen Bildung.

 

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