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Der digitale Euro braucht den Handel – und der Handel kann vom digitalen Euro profitieren

Ein Beitrag von Burkhard Balz, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank.

Porträtbild-Burkhard-BalzDer Zahlungsverkehr befindet sich weltweit im Wandel. Immer mehr Menschen bezahlen digital, immer mehr wirtschaftliche Aktivitäten verlagern sich in den Online-Bereich. Gleichzeitig basiert ein erheblicher Teil des digitalen Zahlungsverkehrs in Europa heute auf außereuropäischen Infrastrukturen und Anbietern.

Der digitale Euro ist Europas Antwort auf diese Entwicklung im Zahlungsverkehr. Er soll den Bürgerinnen und Bürgern auch im digitalen Zeitalter Zugang zu Zentralbankgeld ermöglichen. Zugleich bietet er die Chance, den europäischen Zahlungsverkehr widerstandsfähiger, wettbewerbsfähiger und unabhängiger aufzustellen.

Gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten wird deutlich, dass Zahlungsverkehr weit mehr ist als eine technische Dienstleistung. Europa sollte deshalb nicht nur Nutzer digitaler Zahlungsinfrastrukturen sein, sondern auch deren Gestalter. Der digitale Euro kann dazu beitragen, die europäische Souveränität im Zahlungsverkehr zu stärken und die Resilienz unseres Finanzsystems zu erhöhen. Ein wichtiger Baustein ist dabei die geplante Offline-Funktionalität, die Zahlungen auch bei vorübergehenden Netz- oder Kommunikationsausfällen ermöglichen soll.

Der Handel ist für den Erfolg des digitalen Euro von besonderer Bedeutung. Denn am Ende entscheidet sich der Erfolg eines Zahlungsmittels nicht in Zentralbanken oder Ministerien, sondern dort, wo täglich bezahlt wird: an der Ladenkasse, im Online-Shop oder beim Kauf einer Dienstleistung. Was also hat der digitale Euro dem Handel zu bieten?

  • Eine europaweit einheitliche Zahlungslösung für den stationären Handel, den E-Commerce und für Zahlungen zwischen Privatpersonen. Heute ist der europäische Zahlungsverkehr trotz gemeinsamer Währung noch immer stark fragmentiert. Für Händler, die in mehreren Ländern tätig sind, entstehen dadurch zusätzliche Komplexität und Kosten.
  • Stärkung des Wettbewerbs: Dies gilt insbesondere im eCommerce, wo heute Kreditkarten und Paypal dominieren. Denn mit dem digitalen Euro würde eine zusätzliche europäische Lösung entstehen.
  • Attraktive Gebühren: Der Vorschlag für eine europäische Gesetzgebung zum digitalen Euro sieht vor, dass Händlerentgelte begrenzt werden und Banken sowie Zahlungsdienstleister für ihre Leistungen angemessen vergütet werden. Ziel ist ein Modell, das für alle Beteiligten wirtschaftlich tragfähig ist und zugleich einen fairen Wettbewerb fördert.

Darüber hinaus wird bei der Ausgestaltung des digitalen Euro großer Wert auf Praxistauglichkeit gelegt. Ein Beispiel ist die Integration in bestehende Kassensysteme. Sie muss einfach sein, die Nutzung verlässlich funktionieren und die Kosten müssen attraktiv bleiben.

Der digitale Euro ist dabei längst keine ferne Vision mehr. Der Gesetzgebungsvorschlag der Europäischen Kommission wird derzeit im Europäischen Parlament und im Rat verhandelt. Das Eurosystem arbeitet parallel an der technischen Vorbereitung und plant ab 2027 erste Pilotaktivitäten. Sollte die europäische Gesetzgebung 2026 abgeschlossen werden und die Umsetzung planmäßig verlaufen, könnte der digitale Euro gegen Ende des Jahrzehnts – voraussichtlich ab 2029 – zur Verfügung stehen.

Bis dahin bleibt noch Zeit. Diese sollten wir nutzen. Die Ausgestaltung des digitalen Euro wird nur gelingen, wenn Zentralbanken, Politik, Banken, Zahlungsdienstleister und Handel gemeinsam an einer Lösung arbeiten, die den Bedürfnissen der Praxis gerecht wird.

Der digitale Euro ist kein Selbstzweck. Er ist ein Baustein für einen wettbewerbsfähigen, innovativen und souveränen europäischen Zahlungsverkehr. Ob er sein Potenzial entfalten kann, entscheidet sich nicht zuletzt im Handel. Deshalb sind die Interessen der Händlerinnen und Händler so wichtig.