Kein Entweder-oder: Warum digitaler Euro und Bargeld zusammengehören
Ein Beitrag von Markus Ferber (CSU), Mitglied des Europäischen Parlaments.
Die Diskussion über die Zukunft unseres Geldes wird oft unnötig zugespitzt: digital oder bar, Innovation oder Tradition. Doch diese Gegensätze führen in die Irre. Tatsächlich steht Europa vor einer viel anspruchsvolleren Aufgabe: Wir müssen den digitalen Euro so gestalten, dass er echten Mehrwert bringt, ohne dabei das Bargeld zu verdrängen. Denn ein stabiler Zahlungsraum lebt von Vielfalt und Redundanz.
Der Wandel ist längst da
Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Der Zahlungsverkehr verändert sich rasant. Laut der Deutsche Bundesbank wurden 2017 noch rund drei Viertel aller Zahlungen in Deutschland bar abgewickelt. Heute ist es deutlich weniger. Und in Ländern wie Schweden oder den Niederlanden ist Bargeld im Alltag vieler Menschen bereits die Ausnahme.
Diese Entwicklung wurde nicht politisch verordnet, sie ist vielmehr das Ergebnis veränderter Gewohnheiten. Für die Politik bedeutet das: Die Frage ist nicht mehr, ob ein digitaler Euro kommt, sondern wie er ausgestaltet wird.
Zahlungsverkehr ist geopolitisch
Was oft unterschätzt wird: Zahlungsinfrastruktur ist längst auch ein geopolitisches Thema. Die Vereinigten Staaten treiben digitale Zahlungsformen aktiv voran, etwa über Stablecoins, um die Dominanz des Dollars zu sichern. Gleichzeitig läuft ein Großteil des europäischen Kartenverkehrs über US-Amerikanische Anbieter wie Visa und Mastercard.
Das ist historisch gewachsen aber bei weitem nicht risikofrei. Spätestens seit Pandemie, Cyberangriffen und geopolitischen Spannungen ist klar: Europa braucht mehr Kontrolle über seine kritische Zahlungsinfrastruktur.
Der digitale Euro: Evolution statt Revolution
Ein Vorschlag der Europäische Kommission liegt seit 2023 auf dem Tisch und wird aktuell im Europäisches Parlament beraten. Die Grundidee: ein digitaler Euro als gesetzliches Zahlungsmittel aber ohne eine Ausgestaltung als Sparprodukt – also ohne entsprechende Verzinsung.
Positiv ist, dass er sowohl online als auch offline funktionieren soll. Außerdem bleibt die Rolle von Banken und Zahlungsdienstleistern zentral. Es geht uns also nicht um einen radikalen Systemwechsel, sondern um eine Weiterentwicklung des bestehenden Systems.
Offene Fragen nicht unterschätzen
Trotzdem gibt es Baustellen. Die Festlegung eines Haltelimits durch die Europäische Zentralbank wirft demokratische Fragen auf. Auch die Kostenfrage ist ungeklärt: Wer finanziert die notwendige Infrastruktur?
Hinzu kommt der klassische Zielkonflikt zwischen Datenschutz und Geldwäschebekämpfung. Ein sinnvoller Weg könnte ein risikobasierter Ansatz sein, bei welchem kleine Beträge stärker geschützt, und größere Transaktionen strenger kontrolliert werden.
Bargeld bleibt unverzichtbar
Bei aller Digitalisierung darf eines nicht vergessen werden: Bargeld erfüllt weiterhin zentrale Funktionen. Es ist sofort verfügbar, schützt die Privatsphäre und funktioniert unabhängig von Technik, was ein entscheidender Vorteil in Krisensituationen ist.
Deshalb gilt: Ein robuster Zahlungsraum braucht beides. Digitales Geld für Effizienz und Innovation und Bargeld als stabile, vertrauenswürdige Alternative.
Fazit
Die Zukunft des Geldes ist kein Entweder-oder. Wer Stabilität will, muss auf Vielfalt setzen. Der digitale Euro kann ein wichtiger Baustein sein aber nur, wenn er das Bargeld ergänzt und nicht ersetzt. Genau darin liegt die eigentliche Herausforderung für Europa.

