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Digitaler Euro

Ein Beitrag von Stefan Berger (CDU), Mitglied des Europäischen Parlaments.

Porträtfoto-von-Stefan-BergerWie soll der digitale Euro aussehen – und braucht Europa ihn überhaupt? Diese Fragen stehen derzeit im Mittelpunkt der politischen Debatte in Brüssel. Die Christdemokraten im Europäischen Parlament plädieren für einen realistischen und nutzerorientierten Ansatz beim digitalen Euro. Der Digitale Euro kann die strategische Souveränität Europas, insbesondere gegenüber außereuropäischen Zahlungsanbietern, stärken. Er kann eine europäische Infrastruktur schaffen und das fragmentierte Zahlungssystem vereinheitlichen. Er darf jedoch nur herausgebracht werden, wenn alle offenen Fragen geklärt sind.

Ein Großteil der elektronischen Zahlungen in Europa läuft heute über internationale Anbieter. Ob Visa, Mastercard oder Paypal - US-Unternehmen dominieren den bargeldlosen Zahlungsverkehr in vielen Ländern der EU. Anders als Länder wie Irland oder die Niederlande setzen Deutschland und Frankreich auf eigene Kartenzahlungsinfrastrukturen. Dadurch sind sie weniger auf internationale Zahlungsnetzwerke angewiesen. In Deutschland dominiert die Girocard mit einem Anteil von über 70 Prozent, in Frankreich liegt der Anteil nationaler Kartensysteme bei rund 80 Prozent.

Immer häufiger bezahlen Kunden in Europa ihre Einkäufe auch direkt mit dem Smartphone. Dabei werden überwiegend Apps großer US-Technologiekonzerne wie Apple Pay oder Google Pay verwendet. Diese mobilen Zahlungen machen inzwischen rund ein Zehntel aller Transaktionen im Einzelhandel aus. Klar ist, dass US-Firmen den Regulierungen und geopolitischen Interessen der US-Regierung unterliegen. Seit Donald Trump erneut Präsident der Vereinigten Staaten ist, liegt das Augenmerk stark darauf, in welchen Bereichen Europas Abhängigkeiten von den USA bestehen, auch im digitalen Zahlungsverkehr. Für Europa ist es Zeit, europäische initiativen anzubieten. Europa sollte die digitale Zukunft mit eigenen Ideen und Lösungen gestalten, anstatt sie anderen zu überlassen.

Die Einführung eines digitalen Euro durch die Europäische Zentralbank (EZB) stellt eines der

bedeutendsten währungspolitischen Projekte der EU dar. Die zweijährige Vorbereitungsphase der EZB lief bis Oktober 20251. Ende Oktober 2025 hat der EZB-Rat beschlossen, in die nächste Projektphase überzugehen, die die technische Einsatzbereitschaft herstellen soll, im Einklang mit dem laufenden Gesetzgebungsprozess. Die EZB sagt zugleich klar: Ein Pilot könnte ab 2027 möglich sein, und eine potenzielle erste Ausgabe wird für 2029 als Zielkorridor genannt. Nach eigener Aussage wird der EZB-Rat erst über die Ausgabe des Digitalen Euro entscheiden, wenn die Verordnung zur Einführung vom Europäischen Parlament angenommen worden ist.

Die Bürgerinnen und Bürger erwarten einen sehr hohen Standard in Bezug auf Datenschutz und Privatsphäre. Dies wird über die Akzeptanz des künftigen digitalen Euro entscheiden. Der digitale Euro soll ein Datenschutzniveau ermöglichen, das sich an Bargeld orientiert: Bei Offline-Zahlungen mit dem digitalen Euro sollen die Transaktionsinformationen ausschließlich für den Zahler und den Zahlungsempfänger zugänglich sein. Eine klare Halteobergrenze ist notwendig, um Finanzstabilität zu sicher. Offen ist, welche Maximalsumme in digitalem

Euro jeder Nutzer halten darf. Diese und andere Fragen gilt es zu klären.

Der digitale Euro kann ein wichtiger Baustein europäischer Souveränität im Zahlungsverkehr werden. Gleichzeitig bleibt entscheidend, dass Bargeld nicht ersetzt, sondern ergänzt wird und Verbraucher auch künftig frei entscheiden können, wie sie bezahlen möchten. Unser Ziel ist ein modernes, sicheres und europäisches Zahlungssystem, das Innovation ermöglicht und zugleich die Interessen der Bürgerinnen und Bürger schützt.