antoniodiaz shutterstock 3760906481

Beschäftigungsstruktur im Einzelhandel

Beschäftigte im Einzelhandel

In Deutschland sind mehr als 3,1 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei einem Einzelhandelsunternehmen beschäftigt (Stichtag: 30.09.2019). Damit ist der Einzelhandel als Branche einer der größten Arbeitgeber in Deutschland. Hinzu kommt, dass die Beschäftigtenanzahl im Einzelhandel seit Jahren steigende Tendenz aufweist. Entgegen allen Befürchtungen hat die fortschreitende Digitalisierung und Technisierung in der Branche somit nicht zu einem Arbeitsplatzabbau geführt. Im Gegenteil: Seit dem Jahr 2011 wuchs die Anzahl der Beschäftigten um knapp 170.000 Stellen. Auch der Vorjahresvergleich zeigt erneut, dass die Einzelhandelsunternehmen im Kalenderjahr 2019 wieder kräftig Arbeitsplätze aufgebaut haben. So wuchs die Anzahl der Beschäftigten im Einzelhandel allein im Vergleich zum Vorjahr (Stichtag 30.09.) um mehr als 22.000 Stellen.

Der größte Teil des Beschäftigungsaufbaus in der Branche fand in den letzten Jahren im sozialversicherungspflichtigen Bereich statt. Eine Verdrängung sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze durch geringfügige Beschäftigung (sog. Minijobs) findet also nicht statt.

Minijobs sind für die Branche aber auch weiterhin von großer Bedeutung, etwa um Auftragsspitzen abfedern zu können. Darüber hinaus handelt es sich um begehrte Arbeitsplätze für die Menschen, die aufgrund ihrer Lebensumstände (bspw. Studium, Pflege von Angehörigen, Kinderbetreuung) nicht in der Lage sind, einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachzugehen. Häufig suchen diese Menschen auch nur nach einer bezahlten Nebentätigkeit und fragen daher gezielt Minijobs bei den Arbeitgebern an.

 

B 001 

Arbeitszeitvolumen

Von den Beschäftigten im Einzelhandel sind aktuell 38 Prozent in Vollzeit sowie 36 Prozent in sozialversicherungspflichtiger Teilzeit beschäftigt. Der Anteil der geringfügig Beschäftigten liegt bei 26 Prozent. Mithin ergibt sich für die Branche insgesamt eine Teilzeitquote von aktuell 62 Prozent.

Auf Arbeitnehmerseite ist neben der geringfügigen Beschäftigung (s.o.) auch die sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung (SvB-Teilzeit) sehr beliebt. Sie stellt insbesondere für Beschäftigte, die einen Job und die Betreuung von kleinen Kindern oder die Pflege von Angehörigen unter einen Hut bringen müssen, eine sehr gute Beschäftigungsalternative dar. Es ist eine Stärke des Einzelhandels als Arbeitgeber, dass die Branche aufgrund der Ladenöffnungszeiten und der typischerweise hohen Teilzeitquote ein entsprechendes Angebot an Teilzeitjobs machen kann, das viele Beschäftigte gerne nutzen. Aus Befragungen ergibt sich, dass die große Mehrheit der Beschäftigten mit der eigenen Arbeitszeitgestaltung zufrieden ist. Die vermeintliche „Teilzeitfalle“ lässt sich somit in der Regel nicht belegen.

 

B 002 

Geschlechterverhältnis der Beschäftigten

Von den Beschäftigten im deutschen Einzelhandel sind 67 Prozent weiblich und 33 Prozent männlich. Damit stellen Frauen mehr als zwei Drittel der Arbeitskräfte im deutschen Einzelhandel.

B 003

Trotz aller Appelle zur Veränderung der Geschlechterrollen und einer partnerschaftlichen Aufteilung der Familienarbeit tragen in der Praxis immer noch die Frauen die Hauptlast bei der Betreuung von Kindern und der Pflege von Angehörigen. Die Einzelhandelsbranche ist aufgrund des großen Angebots an Teilzeitarbeit daher für Frauen seit jeher besonders attraktiv. Viele Einzelhandelsunternehmen kümmern sich zudem aktiv darum, wie sie für ihre Beschäftigten Beruf und Familie vereinbaren können. Flexible Arbeitszeitkonzepte stellen einen großen Teil dieser Bemühungen dar.
 

Frauen in Führungspositionen

Frauen bekleiden in der Gesamtwirtschaft in Deutschland durchschnittlich 26 Prozent der Jobs auf der ersten Führungsebene. Im Einzelhandel sind es mit 38 Prozent deutlich mehr. Auch auf der zweiten Führungsebene liegt die Branche mit 65 Prozent Frauenanteil deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt (40 Prozent). Der Einzelhandel verfügt traditionell über einen hohen Frauenanteil und bietet Frauen auch eine gute Karriereperspektive.

B 004 

Befristete Beschäftigung

Der Anteil der befristet Beschäftigten bewegt sich im Einzelhandel unterhalb des gesamtwirtschaftlichen Durchschnitts. Er beträgt lediglich 6,1 Prozent. Branchenübergreifend liegt der Wert mit 7,2 Prozent etwas höher, allerdings auch noch auf einem eher niedrigen Niveau. Der Anteil der sachgrundlosen Befristungen an der Gesamtbeschäftigung in der Branche beträgt lediglich 4,7 Prozent, branchenübergreifend liegt der Vergleichswert in Deutschland insgesamt sogar nur bei 4,3 Prozent.

Dies zeigt, dass es für die von CDU, CSU und SPD im Koalitionsvertrag vereinbarte Einschränkung der sachgrundlosen Befristung keine Datengrundlage gibt. Hinzu kommt, dass die sachgrundlose Befristung für Arbeitsuchende eine gute Möglichkeit zum Erst- bzw. Wiedereinstieg darstellt. Für Arbeitgeber ist die sachgrundlose Befristung zudem ein wichtiges Instrument für flexible Beschäftigung. Die Corona-Pandemie wird Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen. Es wäre in einer solchen Situation fahrlässig, wenn der Gesetzgeber die sachgrundlose Befristung weiter einschränken würde und auf diese Weise den Arbeitsmarkt und Beschäftigung zusätzlich gefährdet.

 B 005

Der Anteil der Befristungen an allen neu eingestellten Beschäftigten lag im Einzelhandel im Jahr 2019 bei 42 Prozent. Dies klingt zunächst viel, allerdings betrug die Übernahmequote, d.h. der Anteil der befristeten Verträge, die in unbefristete Verträge umgewandelt wurden, 58 Prozent. Diese Zahl beweist, dass ein befristeter Arbeitsvertrag oftmals den Einstieg in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis darstellt. Im Vergleich liegt der Anteil der Befristungen in Deutschland insgesamt mit 37 Prozent etwas niedriger als im Einzelhandel. Ein Blick auf die Übernahmequote (Deutschland insgesamt = 44 Prozent) zeigt allerdings, dass im Einzelhandel überdurchschnittlich viele Personen in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen werden.

B 006 

Beschäftigtengrößenklassen im Einzelhandel

Für die Einzelhandelsbranche sind kleinere und mittlere Unternehmen (sog. KMUs) mit wenigen Beschäftigten charakteristisch. So bilden die Einzelhandelsunternehmen mit 1-2 Beschäftigten mit 46 Prozent auch die größte Gruppe der Unternehmen in der Branche. Ferner haben 26 Prozent der Einzelhandelsunternehmen lediglich 3-5 Beschäftigte und weitere 22 Prozent 6-19 Beschäftigte. Die Gruppe der Unternehmen im Einzelhandel, die 20 und mehr Beschäftigte haben, ist mit nur 6 Prozent die kleinste. Damit haben im Ergebnis 94 Prozent der Einzelhandelsunternehmen weniger als 20 Beschäftigte.

Die kleinste Gruppe mit mehr als 20 Beschäftigten erwirtschaftet 79 Prozent des gesamten Umsatzes der Branche. Die Gruppe der Einzelhandelsunternehmen mit 1-2 Beschäftigten erwirtschaftet 4 Prozent, die Gruppe mit 3-5 Beschäftigten 5 Prozent und die Gruppe mit 6-19 Beschäftigten 12 Prozent des Branchenumsatzes.

B 007 

Anteil der Zeitarbeit im Einzelhandel

Nach Angaben der Bundesregierung (BT-Drucksache 19/17679, 06.03.2020) machten die Zeitarbeitnehmer in Deutschland zuletzt 0,7 Prozent aller Beschäftigten im Einzelhandel aus. Damit lag der Anteil der Zeitarbeitnehmer an den Beschäftigten im Einzelhandel deutlich unterhalb des gesamtwirtschaftlichen Durchschnitts über alle Branchen hinweg (2019: 1,3 Prozent). Die Werte sind zudem sowohl im Einzelhandel als auch in der Gesamtwirtschaft über die letzten 10 Jahren sehr stabil und variieren nur minimal.

 B 008

rss_green xing_green twitter_green facebook_green
 

Ansprechpartner:

Steven Haarke
Geschäftsführer
Arbeits-, Sozial- und Tarifrecht
Tel.: 030/72 62 50 40
Fax: 030/72 62 50 49
eMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Bastian Pophal
Arbeits- und Sozialrecht, Arbeitsmarktpolitik
Tel.: 030-72 62 50 45
Fax: 030-72 62 50 49
eMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Thomas Bade
individuelles und kollektives Arbeitsrecht,
Nebengesetze
Tel.: 030-72 62 50 44
Fax: 030-72 62 50 49
eMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!