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Beschäftigungsstruktur im Einzelhandel

Beschäftigte im Einzelhandel

In Deutschland sind mehr als drei Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei einem Einzelhandelsunternehmen beschäftigt. Damit ist der Einzelhandel als Branche einer der größten Arbeitgeber in Deutschland. Hinzu kommt, dass die Beschäftigtenanzahl im Einzelhandel seit Jahren steigende Tendenz aufweist. Entgegen allen Befürchtungen führt die fortschreitende Digitalisierung und Technisierung in der Branche somit nicht zu einem Arbeitsplatzabbau. Im Gegenteil: Seit dem Jahr 2010 wuchs die Anzahl der Beschäftigten um mehr als 120.000 Stellen. Auch der Vorjahresvergleich zeigt, dass die Einzelhandelsunternehmen im Kalenderjahr 2018 wieder kräftig Arbeitsplätze aufbaut haben. So wuchs die Anzahl der Beschäftigten im Einzelhandel allein im Vergleich zum Vorjahr (Stichtag 30.09) um knapp 26.000 Stellen.

Bemerkenswert ist zudem, dass der Stellenaufbau ausschließlich bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung stattfindet. So wurden im Einzelhandel im Kalenderjahr 2018 mehr als 27.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen. Gleichzeitig sank die Anzahl geringfügiger Beschäftigungen (sog. Minijobs) um über 1.000. Dies ist kein Zufall. Minijobs sind in der Branche seit Jahren auf dem Rückzug. Seit dem Jahr 2010 ging deren Anzahl um mehr als 120.000 zurück. Eine Verdrängung sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze durch Minijobs findet in der Branche damit nicht statt.

Dennoch sind geringfügige Beschäftigungsverhältnisse für die Einzelhandelsbranche nach wie vor von großer Bedeutung, um Auftragsspitzen abfedern zu können. Darüber hinaus handelt es sich um begehrte Arbeitsplätze für die Menschen die aufgrund ihrer Lebensumstände (bspw. Studium, Pflege von Angehörige, Kinderbetreuung) nicht in der Lage sind, einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachzugehen. Häufig suchen diese Menschen auch nur nach einer bezahlten Nebentätigkeit und fragen daher gezielt Minijobs bei den Arbeitgebern an.

 

Beschäftigung

 

Arbeitszeitvolumen

Von den Beschäftigten im Einzelhandel sind aktuell 38 Prozent in Vollzeit sowie 36 Prozent in sozialversicherungspflichtiger Teilzeit beschäftigt. Der Anteil der geringfügig Beschäftigten liegt bei 26 Prozent. Mithin ergibt sich für die Branche insgesamt eine Teilzeitquote von aktuell 62 Prozent.

Auf Arbeitnehmerseite ist neben der geringfügigen Beschäftigung (s.o.) auch die sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung (SvB-Teilzeit) sehr beliebt. Sie stellt insbesondere für Beschäftigte, die einen Job und die Betreuung von kleinen Kindern oder die Pflege von Angehörigen unter einen Hut bringen müssen, eine sehr gute Beschäftigungsalternative dar. Es ist eine Stärke des Einzelhandels als Arbeitgeber, dass die Branche aufgrund der Ladenöffnungszeiten und der typischerweise hohen Teilzeitquote ein entsprechendes Angebot an Teilzeitjobs machen kann, das viele Beschäftigte gerne nutzen. Aus Befragungen ergibt sich, dass die große Mehrheit der Beschäftigten mit der eigenen Arbeitszeitgestaltung zufrieden ist. Die vermeintliche „Teilzeitfalle“ lässt sich somit in der Regel nicht belegen.

Arbeitszeitvolumen 1.0

 

Geschlechterverhältnis der Beschäftigten

Von den Beschäftigten im deutschen Einzelhandel sind 70 Prozent weiblich und 30 Prozent männlich. Damit stellen Frauen mehr als zwei Drittel der Arbeitskräfte im deutschen Einzelhandel.

Der Einzelhandel ist weiblich

Trotz aller Appelle zur Veränderung der Geschlechterrollen und einer partnerschaftlichen Aufteilung der Familienarbeit tragen in der Praxis immer noch die Frauen die Hauptlast bei der Betreuung von Kindern und der Pflege von Angehörigen. Die Einzelhandelsbranche ist aufgrund des großen Angebots an Teilzeitarbeit, daher für Frauen seit jeher besonders attraktiv. Viele Einzelhandelsunternehmen kümmern sich zudem aktiv darum, wie sie für ihre Beschäftigten Beruf und Familie vereinbaren können. Flexible Arbeitszeitkonzepte stellen einen großen Teil dieser Bemühungen dar.

 

Frauen in Führungspositionen

Frauen bekleiden in der Gesamtwirtschaft in Deutschland durchschnittlich 26 Prozent der Jobs auf der ersten Führungsebene. Im Einzelhandel sind es mit 36 Prozent deutlich mehr. Auch auf der zweiten Führungsebene liegt die Branche mit 60 Prozent Frauenanteil deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt (40 Prozent). Der Einzelhandel verfügt traditionell über einen hohen Frauenanteil und bietet Frauen auch eine gute Karriereperspektive.

Frauen in Führungspositionen

 

Befristete Beschäftigung

Der Anteil der befristet Beschäftigten bewegt sich im Handel unterhalb des gesamtwirtschaftlichen Durchschnitts. Er beträgt derzeit lediglich 5,7 Prozent. In der Gesamtwirtschaft liegt der Vergleichswert mit 7,4 Prozent zwar etwas höher, allerdings auch noch auf einem eher niedrigen Niveau.

Dies zeigt auch, dass es für die von CDU, CSU und SPD im Koalitionsvertrag vereinbarte Einschränkung der sachgrundlosen Befristung keine Datengrundlage gibt. Hinzu kommt, dass die sachgrundlose Befristung für Arbeitsuchende eine gute Möglichkeit zum Erst- bzw. Wiedereinstieg darstellt. Für Arbeitgeber ist die sachgrundlose Befristung ein wichtiges Instrument für flexible Beschäftigung, da kein gesetzlicher Befristungsgrund für Zeiträume mit ungewisser Auftragslage besteht.

Befristete Arbeitsverhältnisse

Der Anteil der Befristungen an allen neu eingestellten Beschäftigten liegt im Handel bei 45 Prozent (Deutschland insgesamt = 43 Prozent). Dies klingt zunächst viel, allerdings liegt der Anteil der Entfristungen an allen befristet Beschäftigten im Handel bei 60 Prozent (Deutschland insgesamt = 52,5 Prozent). Damit liegt der Wert bei den Entfristungen im Handel oberhalb des Vergleichswertes für die Gesamtwirtschaft. Diese Zahl zeigt deutlich, dass ein befristeter Arbeitsvertrag oftmals den Einstieg in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis darstellt, da die Mehrzahl der befristeten Arbeitsverträge im Einzelhandel entfristet wird.

5.1

 

Beschäftigtengrößenklassen im Einzelhandel

Für die Einzelhandelsbranche sind kleinere und mittlere Unternehmen (sog. KMUs) mit wenigen Beschäftigten charakteristisch. So bilden die Einzelhandelsunternehmen mit 1-2 Beschäftigten mit 46 Prozent auch die größte Gruppe der Unternehmen in der Branche. Ferner haben 28 Prozent der Einzelhandelsunternehmen lediglich 3-5 Beschäftigte und weitere 20 Prozent 6-19 Beschäftigte. Die Gruppe der Unternehmen im Einzelhandel, die 20 und mehr Beschäftigte haben ist mit nur 6 Prozent die kleinste. Damit haben im Ergebnis 94 Prozent der Einzelhandelsunternehmen weniger als 20 Beschäftigte.

Umsatz Beschftigung EH

Die kleinste Gruppe mit mehr als 20 Beschäftigten erwirtschaftet 79 Prozent des gesamten Umsatzes der Branche. Die Gruppe der Einzelhandelsunternehmen mit 1-2 Beschäftigten erwirtschaftet 4 Prozent, die Gruppe mit 3-5 Beschäftigten 6 Prozent und die Gruppe mit 6-19 Beschäftigten 11 Prozent des Branchenumsatzes

6.1

 

Zeitarbeit im Einzelhandel

Nach Angaben der Bundesregierung (BT-Drucksache 18/7325, 19.01.2016) machten die Zeitarbeitnehmer in Deutschland zuletzt 0,5 Prozent (Anzahl: 16.000) aller Beschäftigten im Einzelhandel aus. Damit lag der Anteil der Zeitarbeitnehmer an den Beschäftigten im Einzelhandel deutlich unterhalb des gesamtwirtschaftlichen Durchschnitts über alle Branchen hinweg (2014: 1,4 Prozent)

7.1

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Ansprechpartner:

Steven Haarke
Geschäftsführer
Arbeits-, Sozial- und Tarifrecht
Tel.: 030/72 62 50 40
Fax: 030/72 62 50 49
eMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Bastian Pophal
Arbeits- und Sozialrecht, Arbeitsmarktpolitik
Tel.: 030-72 62 50 45
Fax: 030-72 62 50 49
eMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Thomas Bade
individuelles und kollektives Arbeitsrecht,
Nebengesetze
Tel.: 030-72 62 50 44
Fax: 030-72 62 50 49
eMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!