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Beschäftigungsstruktur im Einzelhandel

Beschäftigte im Einzelhandel

Zum Stichtag 31. Dezember 2020 waren mehr als 3,1 Millionen Menschen im Einzelhandel beschäftigt. Das geht aus den offiziellen Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor. Die Gesamtbeschäftigung im Einzelhandel ist damit trotz Pandemie auch im Jahr 2020 insgesamt auf hohem Niveau verblieben und im Vorjahresvergleich kaum zurückgegangen.

Im Bereich der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung verzeichnete die BA für die Branche im Jahr 2020 im Vergleich zum Jahr 2019 sogar erneut ein leichtes Plus von knapp 12.000 Stellen, wovon mehr als die Hälfte neue sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen sind. Erneut stark rückläufig ist im Vorjahresvergleich hingegen die Zahl der Minijobber, die im Jahr 2020 erneut um mehr als 13.000 Stellen gesunken ist

Die trotz Corona erfreulich stabilen Beschäftigungszahlen in 2020 zeigen nach Auffassung des Handelsverband Deutschland (HDE) aber insbesondere auch die positiven Effekte der Kurzarbeit zur Sicherung der Arbeitsplätze in der Branche. Wie in anderen Branchen auch, wurde Kurzarbeit im Einzelhandel im Jahr 2020 großflächig eingesetzt. Die BA-Daten zur Beschäftigungsentwicklung im Jahr 2021 werden frühestens im Sommer 2022 erwartet.

Aber auch vor der Corona-Pandemie wies die Beschäftigtenanzahl im Einzelhandel seit Jahren steigende Tendenz auf. Entgegen allen Befürchtungen hatte die fortschreitende Digitalisierung und Technisierung in der Branche somit nicht zu einem strukturellen Arbeitsplatzabbau geführt.

 

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Minijobs: Trotz der erneut rückläufigen Tendenz im Jahr 2020, sind Minijobs im Einzelhandel weiter von großer Bedeutung, um etwa Stoßzeiten und Auftragsspitzen abzufedern. Der HDE fordert daher bereits seit Längerem insbesondere die längst überfällige Anhebung der starren Einkommensgrenze für Minijobs auf 600 € pro Monat. Minijobs sind aufgrund der zunehmenden Arbeitszeitsouveränität der Arbeitnehmer durch immer neue (befristete) Teilzeitansprüche zudem ein wichtiges Instrument bei der Füllung der dadurch vermehrt auftretenden Besetzungslücken. Auch bei den Arbeitnehmern sind Minijobs erfahrungsgemäß sehr beliebt und werden zumeist ausdrücklich angefragt. Insbesondere von Arbeitnehmern, die aufgrund ihrer Lebensumstände (bspw. Studium, Pflege, Kinderbetreuung) einen Minijob bevorzugen oder schlicht um die Rente aufzubessern. Der Vorteil, das Entgelt „brutto für netto“ zu erhalten, ist hier regelmäßig das entscheidende Argument. Oft ist der Minijob auch lediglich die erste Etappe nach einer längeren Phase der Arbeitslosigkeit („Brückenfunktion“).

 

Arbeitszeitvolumen

Von den Beschäftigten im Einzelhandel sind aktuell 37 Prozent in Vollzeit sowie 37 Prozent in sozialversicherungspflichtiger Teilzeit beschäftigt. Der Anteil der geringfügig Beschäftigten liegt bei 26 Prozent. Mithin ergibt sich für die Branche insgesamt eine Teilzeitquote von aktuell 63 Prozent.

Auf Arbeitnehmerseite erfreut sich neben der geringfügigen Beschäftigung (s.o.) auch die sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung (SV-Teilzeit) großer Beliebtheit. Sie stellt insbesondere für Beschäftigte, die einen Job und die Betreuung von kleinen Kindern oder die Pflege von Angehörigen unter einen Hut bringen müssen, eine sehr gute Beschäftigungsalternative dar. Es ist eine Stärke des Einzelhandels als Arbeitgeber, dass die Branche aufgrund der Ladenöffnungszeiten und der typischerweise hohen Teilzeitquote ein entsprechendes Angebot an Teilzeitjobs machen kann, das viele Beschäftigte gerne nutzen.

 

 

 

Geschlechterverhältnis der Beschäftigten

Von den Beschäftigten im deutschen Einzelhandel sind 67 Prozent weiblich und 32 Prozent männlich. Damit stellen Frauen mehr als zwei Drittel der Arbeitskräfte im deutschen Einzelhandel. Trotz aller Appelle zur Veränderung der Geschlechterrollen und einer partnerschaftlichen Aufteilung der Familienarbeit tragen in der Praxis also immer noch die Frauen die Hauptlast bei der Betreuung von Kindern und der Pflege von Angehörigen. Die Einzelhandelsbranche ist aufgrund des großen Angebots an Teilzeitarbeit daher für Frauen seit jeher besonders attraktiv. Viele Einzelhandelsunternehmen kümmern sich zudem aktiv darum, wie sie für ihre Beschäftigten Beruf und Familie vereinbaren können. Flexible Arbeitszeitkonzepte stellen einen großen Teil dieser Bemühungen dar.

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Frauen in Führungspositionen

Frauen bekleiden in der Gesamtwirtschaft in Deutschland durchschnittlich 26 Prozent der Jobs auf der ersten Führungsebene. Im Einzelhandel sind es mit 38 Prozent deutlich mehr. Auch auf der zweiten Führungsebene liegt die Branche mit 65 Prozent Frauenanteil deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt (40 Prozent). Der Einzelhandel verfügt traditionell über einen hohen Frauenanteil und bietet Frauen auch eine gute Karriereperspektive.

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Befristete Beschäftigung

Der Anteil der befristet Beschäftigten an der Gesamtbeschäftigung bewegt sich im Einzelhandel mit lediglich 6,4 Prozent im Bereich des gesamtwirtschaftlichen Durchschnitts. Dieser liegt mit 6,3 Prozent geringfügig niedriger. Der Anteil der sachgrundlosen Befristungen an der Gesamtbeschäftigung in der Branche beträgt 5,2 Prozent, branchenübergreifend liegt der Vergleichswert in Deutschland insgesamt sogar nur bei 3,6 Prozent. Dies zeigt, dass es für die von einigen Parteien proklamierten Forderungen nach einer Einschränkung oder gar Abschaffung der sachgrundlosen Befristung keine Datengrundlage gibt.

Hinzu kommt, dass die sachgrundlose Befristung für Arbeitsuchende eine gute Möglichkeit zum Erst- bzw. Wiedereinstieg darstellt. Für Arbeitgeber ist die sachgrundlose Befristung zudem ein wichtiges Instrument für flexible Beschäftigung. Insbesondere in Aufschwungphasen kann die befristete Beschäftigung zudem eine Brückenfunktion in unbefristete Beschäftigung erfüllen. Die Corona-Pandemie hatte bereits erhebliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und dies wird wohl auch noch für eine ganze Weile so bleiben. Es wäre in einer solchen Situation grob fahrlässig, wenn der Gesetzgeber sich dazu hinreißen ließe, die sachgrundlose Befristung weiter einzuschränken oder abzuschaffen. Dies würde den Arbeitsmarkt und Beschäftigung völlig unnötig dramatisch gefährdet.

 

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Der Anteil der Befristungen an allen neu eingestellten Beschäftigten lag im Einzelhandel im ersten Halbjahr des Jahres 2020 bei 46 Prozent. Dies klingt zunächst viel, allerdings betrug die Übernahmequote, d.h. der Anteil der befristeten Verträge, die in unbefristete Verträge umgewandelt wurden, im gleichen Zeitraum trotz Pandemie 48 Prozent. Diese Zahl beweist, dass ein befristeter Arbeitsvertrag oftmals den Einstieg in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis darstellt (Brückenfunktion). Im Vergleich liegt der Anteil der befristeten Neueinstellungen in Deutschland insgesamt mit 38 Prozent etwas niedriger als im Einzelhandel. Ein Blick auf die Übernahmequote (Deutschland insgesamt = 39 Prozent) zeigt, dass im Einzelhandel überdurchschnittlich viele Personen in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen werden.

 

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Beschäftigtengrößenklassen im Einzelhandel

Für die Einzelhandelsbranche sind kleinere und mittlere Unternehmen (sog. KMUs) mit wenigen Beschäftigten charakteristisch. So bilden die Einzelhandelsunternehmen mit 1-2 Beschäftigten mit 46 Prozent auch die größte Gruppe der Unternehmen in der Branche. Ferner haben 26 Prozent der Einzelhandelsunternehmen lediglich 3-5 Beschäftigte und weitere 22 Prozent 6-19 Beschäftigte. Die Gruppe der Unternehmen im Einzelhandel, die 20 und mehr Beschäftigte haben, ist mit nur 6 Prozent die kleinste. Damit haben im Ergebnis 94 Prozent der Einzelhandelsunternehmen weniger als 20 Beschäftigte.

Die kleinste Gruppe mit mehr als 20 Beschäftigten erwirtschaftet 79 Prozent des gesamten Umsatzes der Branche. Die Gruppe der Einzelhandelsunternehmen mit 1-2 Beschäftigten erwirtschaftet 4 Prozent, die Gruppe mit 3-5 Beschäftigten 5 Prozent und die Gruppe mit 6-19 Beschäftigten 12 Prozent des Branchenumsatzes.

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Anteil der Zeitarbeit im Einzelhandel

Nach Angaben der Bundesregierung (BT-Drucksache 19/17679, 06.03.2020) machten die Zeitarbeitnehmer in Deutschland zuletzt 0,7 Prozent aller Beschäftigten im Einzelhandel aus. Damit lag der Anteil der Zeitarbeitnehmer an den Beschäftigten im Einzelhandel deutlich unterhalb des gesamtwirtschaftlichen Durchschnitts über alle Branchen hinweg (2019: 1,3 Prozent). Die Werte sind zudem sowohl im Einzelhandel als auch in der Gesamtwirtschaft über die letzten 10 Jahren sehr stabil und variieren nur minimal.

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