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Entgeltentwicklung

Tarifliche Arbeitsbedingungen im Einzelhandel

Das tarifliche Monatsentgelt in der wichtigsten Tarifgruppe (Verkaufstätigkeit) beläuft sich in allen Tarifgebieten in der Endstufe auf mehr als 2.600 Euro. Gezahlt werden zudem jährlich 13,25 Tarifgehälter (inklusive tarifliches Urlaubs- und Weihnachtsgeld). Die tarifliche Wochenarbeitszeit beträgt im Einzelhandel zumeist 37,5 Stunden (West) bzw. 38 Stunden (Ost). Das Arbeiten ab 18.30 Uhr wird zusätzlich mit 20 Prozent Zuschlag belohnt, ab 20 Uhr mit 50 Prozent Zuschlag, Arbeit an verkaufsoffenen Sonntagen mit 100 Prozent Zuschlag. Die Tarifverträge des Einzelhandels sehen zudem bereits seit 2002 eine durch die Arbeitgeberseite finanzierte tarifliche Altersvorsorge in Höhe von 300 Euro jährlich vor. Hierdurch wird von den Handelsunternehmen der Aufbau einer betrieblichen Altersversorgung gefördert, mit der die Beschäftigten ihre gesetzlichen Rentenansprüche aufstocken können.
 

Entwicklung der Tarifentgelte

Überblick: Tarifabschlüsse im Einzelhandel:

E 001

 

Die Tarifentgelte im Einzelhandel haben sich in den letzten Jahren nicht nur nominal, sondern auch real positiv entwickelt. Die Tarifbeschäftigten konnten deutliche Reallohnzuwächse erzielen. Im Zeitraum von 2011 bis 2020 sind die Tarifentgelte im Einzelhandel etwa um 23,7 Prozent gestiegen. Im Vergleichszeitraum ist die Inflationsrate nur um 12,7 Prozent angestiegen. Das bedeutet für diesen Zeitraum einen Reallohnzuwachs von 11 Prozent.

 

E 002

Quelle: Statistisches Bundesamt 
 

Entwicklung der Effektiventgelte

Im Einzelhandel sind auch die tatsächlich gezahlten Löhne und Gehälter (Effektiventgelte) in den letzten Jahren stark angestiegen. Gemeint sind damit alle in der Branche gezahlten Entgelte unabhängig von einer Tarifbindung des Arbeitgebers. So sind die Effektiventgelte gemessen am durchschnittlichen Bruttostundenverdienst im Zeitraum von 2011 bis 2020 um 25,2 Prozent angestiegen. Dieser Anstieg fällt sogar noch etwas höher aus als der Anstieg der Tarifentgelte im Vergleichszeitraum (s.o.). Zum einen belegt dies die nach wie vor hohe Bindungskraft der Tarifverträge im Einzelhandel, da die Tarifsteigerungen entweder kraft unmittelbarer Tarifbindung oder durch Anlehnung bzw. Inbezugnahme des Tarifvertrages der großen Mehrheit der Beschäftigten zugutekommen. Zum anderen kann der verhältnismäßig stärkere Anstieg der Effektiventgelte in der Branche gerade auch im Krisenjahr 2020 wohl auch mit den von vielen Handelsunternehmen geleisteten außer- oder übertariflichen Corona-Prämien sowie mit dem weiter zunehmenden Arbeitskräftemangel in der Branche und einem in der Folge größeren Wettkampf der Unternehmen um qualifiziertes Personal erklärt werden. Die insgesamt sehr positive Entwicklung der Effektiventgelte in der Branche belegt zudem eindrucksvoll, dass eine fehlende Tarifbindung eines Unternehmens keineswegs mit schlechteren Arbeitskonditionen für die Beschäftigten verbunden sein muss.

 

E 003

 Quelle: Verdiensterhebung, Statistisches Bundesamt

Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst eines Beschäftigten im Einzelhandel betrug 2020 nach der aktuellen Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamtes 18,92 Euro. Dies entspricht bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit in Höhe von 37,7 Stunden im Jahr 2020 einem durchschnittlichen Bruttomonatsverdienst von 3.100 Euro im Einzelhandel.

Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst in der Branche liegt somit um 97 Prozent über dem seit 1. Juli 2021 geltenden gesetzlichen Mindestlohn von 9,60 Euro.

Der Einzelhandel ist also keine Niedriglohnbranche, sondern zahlt gutes Geld für gute Arbeit!

 

E 004

 

Aufstocker im Einzelhandel

Nach den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit lag der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Einzelhandel (Klassifizierung: Handel, Instandhaltung, Reparatur von Kfz), die ergänzend Hartz-IV-Leistungen beziehen mussten (sog. Aufstocker), im Dezember 2020 bei 1,7 Prozent. Betrachtet man nur die Vollzeitkräfte sind es sogar nur noch 0,3 Prozent der Beschäftigten. Bei der ganz überwiegenden Anzahl der Aufstocker in der Branche handelt es sich somit um sozialversicherungspflichtig beschäftigte Teilzeitkräfte oder geringfügig Beschäftigte. Ein Rückschluss von der Anzahl der Aufstocker auf die Höhe der Vergütung ist also unstatthaft. Auch im Falle einer Vollzeitbeschäftigung ist zumeist nicht die Höhe der gezahlten Stundenentgelte zu niedrig, sondern vielmehr die familiäre Situation ausschlaggebend. So handelt es sich dabei zumeist um sog. Bedarfsgemeinschaften, also bspw. um Alleinerziehende mit Kind bzw. Kindern oder besonders kinderreiche Familien, in denen nur ein Elternteil arbeiten kann.

Zudem handelt es sich bei den „Aufstockern“ im Einzelhandel auch nicht um ein branchenspezifisches Thema. Das belegen die Daten der Bundesagentur für Arbeit. So liegt der Anteil der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Aufstocker auch bei einer branchenübergreifenden Betrachtung bei vergleichbaren 1,4 (Dezember 2020). Darunter sind branchenübergreifend jeweils auch nur 0,3 Prozent Vollzeitkräfte.

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Ansprechpartner:

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Geschäftsführer
Arbeits-, Sozial- und Tarifrecht
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individuelles und kollektives Arbeitsrecht,
Nebengesetze
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