Die Lebensmittellieferkette verstehen
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Unsere Lebensmittelversorgung ist komplexer als der Weg vom Feld auf den Teller. Landwirtschaft, Agrarhandel, Genossenschaften, Ernährungsindustrie, Großhandel und Lebensmittelhandel übernehmen unterschiedliche Aufgaben. Gleichzeitig verbinden Importe und Exporte die deutsche Lebensmittelwirtschaft eng mit dem europäischen und internationalen Markt. Wer über faire Geschäftsbeziehungen in der Lebensmittellieferkette spricht, muss deshalb zunächst verstehen, wie diese Lieferkette tatsächlich funktioniert.
1. Vom Landwirt direkt in den Supermarkt? Meist ist der Weg länger.
Die Landwirtschaft in Deutschland, Europa und weltweit steht am Anfang der Lebensmittellieferkette. Zwischen der landwirtschaftlichen Erzeugung und dem Produkt im Supermarkt liegen weitere Wertschöpfungsstufen. Agrarhandel und Genossenschaften bündeln Erzeugnisse, übernehmen Lagerung und Logistik. Molkereien, Schlachtereien und andere Unternehmen der Ernährungsindustrie verarbeiten landwirtschaftliche Rohstoffe zu Lebensmitteln. Erst anschließend gelangen viele Produkte über den Lebensmittelhandel zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern.
Der Lebensmittelhandel verhandelt in der Regel nicht mit einzelnen landwirtschaftlichen Betrieben, sondern mit Unternehmen der Lebensmittelindustrie. Der Handelsreport Frischelebensmittel zeigt entsprechend nur einen begrenzten direkten wirtschaftlichen Zusammenhang zwischen landwirtschaftlicher Erzeugung und LEH.
Warum das wichtig ist: Wer die wirtschaftlichen Beziehungen innerhalb der Lebensmittellieferkette beurteilen will, muss die tatsächlichen Handels- und Vertragsbeziehungen zwischen den einzelnen Stufen betrachten.
2. Lebensmittelmärkte enden nicht an der Landesgrenze
Die deutsche Lebensmittelwirtschaft ist eng in europäische und internationale Warenströme eingebunden. Landwirtschaftliche Erzeugnisse aus Deutschland werden im Ausland verkauft, während gleichzeitig Lebensmittel und Rohstoffe importiert werden. Wie bedeutend diese Warenströme sind, zeigt der Blick auf Frischelebensmittel: 48 Prozent der Produktionsmengen der betrachteten deutschen Frischewarengruppen werden exportiert. Gleichzeitig entsprechen die Importe 47 Prozent der in Deutschland verfügbaren Angebotsmenge. Dabei unterscheiden sich die Märkte erheblich. Deutschland produziert beispielsweise mehr Kartoffeln und Fleisch, als im Inland benötigt werden. Bei Obst und Gemüse ist die Versorgung dagegen in hohem Maße auf Importe angewiesen. Der Selbstversorgungsgrad liegt laut Handelsreport bei Obst bei 19 Prozent und bei Gemüse bei 37 Prozent.
Die deutsche Landwirtschaft produziert deshalb nicht allein für den deutschen Lebensmittelhandel – und der deutsche Lebensmittelhandel beschafft nicht allein aus der deutschen Landwirtschaft. Absatz- und Beschaffungsmärkte reichen weit über nationale Grenzen hinaus.
Warum das wichtig ist: Viele Lebensmittel werden an den Weltmärkten gehandelt. Der Außenhandel prägt die Märkte. Für Erzeuger und Lebensmittelindustrie bestehen damit alternativen Absatz- und Beschaffungsmöglichkeiten. Ein funktionierender europäischer Binnenmarkt erweitert diese Möglichkeiten auf beiden Seiten.
3. Wettbewerb macht die Lebensmittelversorgung leistungsfähig
Die Lebensmittellieferkette versorgt jeden Tag Millionen von Verbrauchern zuverlässig mit Lebensmitteln. Dabei konkurrieren Erzeuger, Hersteller und Handelsunternehmen um Kunden und Absatzmöglichkeiten.
Eine leistungsfähige Lebensmittellieferkette braucht deshalb beides: faire Geschäftsbeziehungen und funktionierenden Wettbewerb.
Wertschöpfungsstufen Warenfluss Frischemärkte:
Beispiel Warenfluss von inländisch produzierter Milch:
Beispiel Warenfluss von inländisch produziertem Schweinefleisch:


